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	<title>Literaturen Afrikas Archive &ndash; Manfred Loimeier</title>
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		<title>Zora Neale Hurstons Autobiografie &#8222;Spuren im Staub&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Manfred Loimeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 21 Mar 2026 11:08:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literaturen Afrikas]]></category>
		<category><![CDATA[US-Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Versuchung ist groß, durch den Schleier einer Autobiografie die Person zu beurteilen, die die sich in den Schleier dieser Autobiografie hüllt. Gerade bei Zora Neale Hurston, der bekanntesten Autorin der Harlem Renaissance, ist diese Versuchung besonders groß. Die Schriftstellerin und Anthropologin aus Florida, die zwischen den beiden Weltkriegen mit Romanen, Musicals, Essays und ethnologischen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Versuchung ist groß, durch den Schleier einer Autobiografie die Person zu beurteilen, die die sich in den Schleier dieser Autobiografie hüllt. Gerade bei Zora Neale Hurston, der bekanntesten Autorin der Harlem Renaissance, ist diese Versuchung besonders groß. Die Schriftstellerin und Anthropologin aus Florida, die zwischen den beiden Weltkriegen mit Romanen, Musicals, Essays und ethnologischen Schriften für Aufsehen sorgte, die ihr Alter um zehn Jahre senkte und die in einen Plagiatsskandal geriet, hielt sich, was ihr Privatleben betrifft, stets bedeckt – und verleitete gerade damit zu allerlei Spekulationen. Und weil sie in den 1950ern vollkommen in Vergessenheit geriet und erst durch Alice Walkers Engagement Mitte der 1970er Jahre wiederentdeckt wurde, ist das biografische Material zu Hurston sehr übersichtlich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Sprachspiele und Selbstironie</p>
<p>Nun (wieder-)veröffentlicht der Zürcher Verlag Nagel und Kimche mit dem Buch „Spuren im Staub“ (431 Seiten) die auf Deutsch erstmals im Jahr 2000 bei Ammann unter dem Titel „Ich mag mich wenn ich lache“ verlegten Memoiren Hurstons. Und diese Memoiren zeigen das sprachliche und dramaturgische Talent der Autorin, leben vom Witz und der Selbstironie der Schriftstellerin, von ihrem Spiel mit Slang und Code-Switching und der Integration von Südstaaten-Sprichwörtern und unverblümten Schimpfwörtern sowie von gekonntem Spannungsaufbau und zielsicherer Pointierung. „Spuren im Staub“, 1942 erstveröffentlicht und selbst in den USA erst 1991 wieder neu herausgebracht, bietet damit eine großartige Lektüre.</p>
<p>Das Buch zeigt aber auch, wie sehr die Autorin von Fürsprechern und Mäzenen, von Stipendien und Stiftungen abhängig war, und wie sehr diese Gönner und Institutionen Hurstons Publikationen steuerten. Und wie deutlich Hurstons Meinung mitunter von dem abwich, was sich zu schreiben ziemte. Es muss für Hurston ein schwieriger Spagat gewesen sein, wie es sich vor allem in den beiden Kapiteln zu Religion und Rassismus zeigt, in denen Hurston auf schwankendem Boden nicht mehrheitsfähiger Theorien taumelt: ihre Behauptung einer Chancengleichheit von schwarzen und weißen US-Amerikanern etwa oder ihre Gleichsetzung aller Religionen, die sie zugleich als unmaßgeblich ablehnt, als pures Spektakel beschreibt und sich dennoch in verschiedenen Formen des Voodoo-Kults initiieren lässt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ausgezeichnete Edition</p>
<p>Hier bewährt sich die fast schon antiquiert anmutende detailgenaue und penible Editionstätigkeit der ausgezeichneten Übersetzerin Barbara Henninges. Ihre Anmerkungen nehmen ein Drittel dieser Ausgabe ein und beantworten Fragen zur Person Hurstons. Insbesondere aber drei Kapitel, deren jeweilige Originale der veröffentlichten Version hintangestellt sind, zeugen vom Wirken und Eingreifen eines vormaligen Lektors.</p>
<p>Was in Hurstons Autobiografie nämlich auch erstaunt, ist das weitgehende Fehlen jeglicher Konflikte zwischen Schwarz und Weiss, so auch die verblüffend geschilderte allseitige Harmonie in Hurstons vorgeblicher Geburtsstadt Eatonville (tatsächlich kam sie nicht in Florida, sondern in Alabama zur Welt).</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Erwartungen der Leserschaft</p>
<p>Wurde aber bereits die US-kritische Positionierung in den Originalkapiteln umformuliert, welche Chancen auf Veröffentlichung hätten da etwaige Schilderungen von Lynchjustiz gehabt? Zumal Hurston in ihrer Autobiografie selbst sowie in ihrem Essay von 1950, „What White Publishers Won‘t Print“ verdeutlicht, dass sie der Erwartung und dem Klischee, ein Buch afro-amerikanischer Autoren müsse immer einen Rassenkonflikt zum Gegenstand haben, selbstbewusst entgegentritt. Es ging ihr auch darum, den „normalen“ Alltag schwarzer US-Mittelstandsamerikaner zu zeigen – daher wohl auch einst der von Ammann gewählte, verfremdete Buchtitel.</p>
<p>So ist denn auch der Zeitpunkt der Wiederveröffentlichung von „Spuren im Staub“ sehr gut gewählt. Jüngst wurde die gleichgesinnte Persiflage des Pulitzer-Preisträgers Percival Everett auf den US-Literaturbetrieb unter dem Titel „American Fiction“ verfilmt, nennen US-Bestsellerautorinnen wie Regina Porter, Tananarive Due oder Rahel Eliza Griffiths Zora Neale Hurston als literarische Ahnin, trug Alice Walker zur kommentierten Erstausgabe von Hurstons Band „Barracoon“ bei. Und im Jahr 2022 (wieder-)veröffentlichte der Kampa Verlag Zürich Hurstons Roman „Vor ihren Augen sahen sie Gott“ – Hurstons Autobiografie „Spuren im Sand“ darf als Einladung verstanden werden, auch diesen Roman (neu) zu lesen.</p>
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		<title>Abdulrazak Gurnahs Roman &#8222;Diebstahl&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Manfred Loimeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Sep 2025 10:55:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literaturen Afrikas]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Diebstahl“ lautet der Titel des neuen Romans von Abdulrazak Gurnah, seines ersten Romans nach Erhalt des Literaturnobelpreises 2021. Und dieses Buch bereitet eine merkwürdige Lektüre, denn obwohl es sich über die ersten immerhin 250 von rund 330 Seiten liest wie die Zusammenfassung bisheriger TV-Folgen vor Beginn einer neuen Staffel, wirkt das Thema des Romans letztlich [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>„Diebstahl“ lautet der Titel des neuen Romans von Abdulrazak Gurnah, seines ersten Romans nach Erhalt des Literaturnobelpreises 2021. Und dieses Buch bereitet eine merkwürdige Lektüre, denn obwohl es sich über die ersten immerhin 250 von rund 330 Seiten liest wie die Zusammenfassung bisheriger TV-Folgen vor Beginn einer neuen Staffel, wirkt das Thema des Romans letztlich doch deutlich nach (&#8222;Diebstahl&#8220;. Aus dem Englischen von Eva Bonné. Penguin Verlag, München 2025, 332 Seiten, 26 Euro).</p>
<p>Im Mittelpunkt der Handlung steht Badar, ein Junge, der als Haushaltshilfe in Obhut der Familie Othman gegeben wird. Sein Alltag in Daressalam vermittelt eine Ahnung vom früheren muslimischen Leben an der tansanischen Küste sowie auf den Sansibar-Inseln Pemba und Unguja. Sehr, wirklich sehr detailreich schildert Gurnah, wie Badar putzt und wäscht und kocht und seine gutaussehende Herrin Raya bewundert.</p>
<p><strong>Anspielungen auf das eigene Werk</strong></p>
<p>Das erinnert an Gurnahs „Das verlorene Paradies“ und auch an seinen noch nicht ins Deutsche übersetzten Roman „The Last Gift“, denn auch dort verbreitet ein mürrischer Herr Othman schlechte Laune, leidet ein älterer Herr namens Abbas an diabetesbedingten Gesundheitsproblemen, kümmert sich ein großer Bruder um die Ausbildung seines jüngeren Geschwisters. Das Motiv des Diebstahls ruft die Geschichte aus „Donnernde Stille“ in Erinnerung, die explizite Nennung der sansibarischen Prinzessin Salme und ihres deutschen Ehemanns Ruete wiederum den Roman „Die Abtrünnigen“. Gurnah erwähnt Tolstoi und Jane Austen, und während die Handlung so weiterschlendert, greifen Karim, der Sohn von Badars Herrin Raya, und dessen Freundin und spätere Ehefrau Fauzia ins Geschehen ein.</p>
<p>Karim erfährt das Rätsel um Badars Herkunft – er ist der Sohn von Othmans Cousin und früherem Handelspartner, welcher Othman um ein beträchtliches Vermögen betrog. Nach dessen Verschwinden muss ausgerechnet Othman sich um den verlassenen Jungen kümmern. Karim aber verschafft Badar eine Stelle in einem Hotel auf Sansibar, lernt just dort die hübsche Entwicklungshelferin Geraldine aus London kennen und beginnt eine Affäre mit ihr, weswegen Fauzia ihn mit ihrer gemeinsamen Tochter Nasra verlässt. Karim macht Karriere in der Politik, und zuletzt werden Fauzia und Badar mitsamt Nasra glücklich miteinander.</p>
<p><strong>Was eigentlich ist alles Diebstahl?</strong></p>
<p>Gurnah erzählt das flüssig wie eine Kaffeehausplauderei und lässt seine Geschichte in ein tatsächlich fesselndes Finale münden. Und damit beginnen die Überlegungen, denn was genau ist alles Diebstahl? Dass Badars Vater seinem Sohn die Kindheit und Jugend verdarb? Dass Karims Mutter Raya lange nichts von ihrem Sohn wissen wollte? Dass die Entwicklungshelferin Geraldine Fauzia den Mann und deren Tochter Nasra den Vater nimmt? Dass die Touristen auf Sansibar den Einheimischen den Wohnraum verteuern? Und überhaupt: Wie lange verknüpft eine kausale Kette seit dem ursprünglichen Diebstahl das Leben wie vieler Menschen?</p>
<p>Und so geht es einmal mehr um Vergangenheit, die nicht vorüber ist, sondern sich gegenwärtig in das Leben von Individuen mischt und damit signalisiert, in welchen Bahnen sich das eigene Handeln bewegt und womöglich noch lange vollziehen wird.</p>
<p><strong>Postkoloniale Komponente</strong></p>
<p>Das Ganze wäre noch wirkungsvoller, hätte Gurnah die Charaktere seiner Figuren tiefer ausgelotet. So aber ist Othman nur schlecht gelaunt, Raya ungemein schön, Fauzia als Lehrerin nahezu genug beschrieben, Karim ehrgeizig, Fauzias Freundin Hawa in ihrer Nebenrolle lebenslustig, Geradline atemberaubend hübsch, und Badar, der nie so recht als Akteur erkennbar wird, ist so geduldig, fürsorglich, freundlich und für Nasra ein geliebter Ersatzvater, dass es kaum zu fassen ist.</p>
<p>Ferner ist da noch eine postkoloniale Komponente, denn nicht nur bringt Geraldine das Leben vor Ort durcheinander, sondern Fauzia liest zudem Bücher über die spanischen Konquistadoren in Südamerika und ihr Gemetzel an den Inkas. Aber so ist das nun mal in einer seit jeher globalen Welt, dass gegenseitige Einflüsse das Leben verändern. Und wie merkwürdig: Obwohl in Gurnahs Buch derlei Gedanken nur angedeutet sind, hallt dieses Schicksalsbewusstsein als Atmosphäre des Romans „Diebstahl“ noch weit über die Lektüre hinaus nach – und zwar sehr eindringlich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Siehe auch:</p>
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="LXtuiGVjHC"><p><a href="https://www.manfred-loimeier.de/abdulrazak-gurnah-und-sein-roman-nachleben/">Abdulrazak Gurnah und sein Roman &#8222;Nachleben&#8220;</a></p></blockquote>
<p><iframe class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted" title="&#8222;Abdulrazak Gurnah und sein Roman &#8222;Nachleben&#8220;&#8220; &#8212; Manfred Loimeier" src="https://www.manfred-loimeier.de/abdulrazak-gurnah-und-sein-roman-nachleben/embed/#?secret=mctRKVveZW#?secret=LXtuiGVjHC" data-secret="LXtuiGVjHC" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe></p>
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="SQ3cm48KZR"><p><a href="https://www.manfred-loimeier.de/literaturnobelpreistraeger-abdulrazak-gurnah-ueber-deutschlands-bedeutung-in-tansania/">Literaturnobelpreisträger Abdulrazak Gurnah über Deutschlands Bedeutung in Tansania</a></p></blockquote>
<p><iframe class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted" title="&#8222;Literaturnobelpreisträger Abdulrazak Gurnah über Deutschlands Bedeutung in Tansania&#8220; &#8212; Manfred Loimeier" src="https://www.manfred-loimeier.de/literaturnobelpreistraeger-abdulrazak-gurnah-ueber-deutschlands-bedeutung-in-tansania/embed/#?secret=YrOi7KdePI#?secret=SQ3cm48KZR" data-secret="SQ3cm48KZR" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe></p>
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="tu7hrichfy"><p><a href="https://www.manfred-loimeier.de/nobelpreistraeger-abdulrazak-gurnah-schildert-die-schrecken-der-sansibar-revolution/">Nobelpreisträger Abdulrazak Gurnah schildert die Schrecken der Sansibar-Revolution</a></p></blockquote>
<p><iframe class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted" title="&#8222;Nobelpreisträger Abdulrazak Gurnah schildert die Schrecken der Sansibar-Revolution&#8220; &#8212; Manfred Loimeier" src="https://www.manfred-loimeier.de/nobelpreistraeger-abdulrazak-gurnah-schildert-die-schrecken-der-sansibar-revolution/embed/#?secret=a9r3DOiqQQ#?secret=tu7hrichfy" data-secret="tu7hrichfy" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Zum Tod von Ngũgĩ wa Thiong’o</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Manfred Loimeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Jun 2025 06:41:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literaturen Afrikas]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der kenianische Romancier, Essayist und Dramatiker Ngũgĩ wa Thiong’o, Träger des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises der Stadt Osnabrück, ist mit 87 Jahren am 28. Mai 2025 gestorben. Er zählt zu den wichtigsten Autoren des afrikanischen Kontinents, war Ehrendoktor der Universitäten von Yale und Bayreuth und sein vielfach in Kikuyu verfasstes, jedoch weltweit übersetztes Gesamtwerk wurde für den Man Booker [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der kenianische Romancier, Essayist und Dramatiker Ngũgĩ wa Thiong’o, Träger des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises der Stadt Osnabrück, ist mit 87 Jahren am 28. Mai 2025 gestorben. Er zählt zu den wichtigsten Autoren des afrikanischen Kontinents, war Ehrendoktor der Universitäten von Yale und Bayreuth und sein vielfach in Kikuyu verfasstes, jedoch weltweit übersetztes Gesamtwerk wurde für den <em>Man Booker International Prize</em> nominiert. Manfred Loimeier, der als Professor der Universität Heidelberg Afrikanische Literaturen englischer Sprache lehrt, würdigt den Grandseigneur der Weltliteratur.</p>
<p>Der 1938 geborene Ngũgĩ wa Thiong’o gab sowohl durch seine Person als auch durch sein Werk ein Beispiel für seine Generation afrikanischer Intellektueller: aufgewachsen voller Bildungshunger, erzogen im christlichen Geist, geprägt von den Idealen der Aufklärung, der Freiheit und der Demokratie. Und dann die Ernüchterung – sei es durch den Materialismus des Westens, den Dogmatismus des Ostens oder den Neokolonialismus afrikanischer Regimes.</p>
<p>Ngũgĩ wa Thiong’o hat dies alles selbst durchlebt, war zunächst Professur für englische Literaturwissenschaft in Nairobi, weckte mit einem Theaterstück, das der Landbevölkerung politische Aufklärung und demokratische Rechte vermittelte, den Argwohn der Staatsmacht und wurde verhaftet. Sein Gefängnistagebuch „Kaltgestellt“ machte ihn 1981 – vergleichbar mit dem nigerianischen Literaturnobelpreisträger von 1986, Wole Soyinka – international bekannt. Es folgten Jahre des Exils, zunächst in Großbritannien, dann in den USA. Bis zu seinem Tod hat dieses Exil für Ngũgĩ wa Thiong’o kein Ende genommen. In den Vereinigten Staaten hat er an der University of California in Irvine eine neue Heimat gefunden. Allerdings ließ auch die immer instabiler gewordene Gesundheit des Autors eine Rückkehr nach Afrika als kaum ratsam erscheinen.</p>
<p>Als Autor durchlief Ngũgĩ wa Thiong’o die Stationen einer für Afrika geradezu typischen Schriftstellerkarriere. In seinen ersten Romanen „Abschied von der Nacht“ (1964), „Der Fluss dazwischen“ (1965) und „Freiheit mit gesenktem Kopf“ (1968) thematisierte er das wachsende antikoloniale Selbstbewusstsein, in „Verbrannte Blüten“ (1977), „Der gekreuzigte Teufel“ (1980) und „Matigari“ (1986) kritisierte er Korruption und Machtmissbrauch der neuen afrikanischen Regierungen.</p>
<p>Ngũgĩ wa Thiong’o schrieb aber nicht nur Romane, sondern auch Theaterstücke, die er im Stil des „Theaters der Aufklärung“ zum Teil zusammen mit der ländlichen Bevölkerung inszenierte. Maßgeblich wurde er aber auch als Essayist, denn in seinen Aufsätzen legte er eindringlich und vorbildlich dar, dass die Befreiung vom (Neo-)Kolonialismus nicht nur eine Frage der staatlichen Souveränität, der parlamentarischen Demokratie und der wirtschaftlichen Unabhängigkeit ist, sondern auch der ideologischen Emanzipation. Seine Schriftensammlung „Dekolonisierung des Denkens“ (1986) wurde zu einem Standardwerk der postkolonialen Theorie, und Ngũgĩ wa Thiong’os Betonung der Bedeutung afrikanischer Sprachen zur Artikulation afrikanischer Interessen zeigte sich auch darin, dass er seit Mitte der 80er Jahre zunächst in seiner Muttersprache Gĩkũyũ publiziert, allerdings alsbald eine englische Textversion folgen lässt.</p>
<p>Seine jüngsten Werke, die Autobiografien „Träume in Zeiten des Krieges“ (2010), „Im Haus des Hüters“ (2012), „Geburt eines Traumwebers“ (2016) und „Wrestling with the Devil: A Prison Memoir“ (2018) – der Überarbeitung seines Gefängnistagebuchs „Kaltgestellt“ – sowie der opulente Roman „Herr der Krähen“ demonstrierten auch jüngst die beeindruckende Prosa und bildgewaltige Fabulierkunst dieses Autors, der gerade mit diesen Büchern eine afrikanische Welt und eine Erzähltradition dokumentiert, die die Weltliteratur bereichert.</p>
<p>Das literarische Werk Ngũgĩ wa Thiong’os, der immer wieder auch in Oxford, Cambridge, Bayreuth, Auckland oder Harvard lehrte, wurde sehr früh und sehr umfangreich auch in Deutschland verlegt. Seit 1969 erscheinen die meisten seiner Werke, sogar seine Theaterstücke, auch auf Deutsch – zunächst in Verlagen der DDR. Zuletzt erschienen auch seine beiden Essaybände „Dekolonisierung des Denkens“ (2017) und „Afrika sichtbar machen“ (2019) auf Deutsch, und im November 2019 erhielt er den Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises der Stadt Osnabrück. Sie würdigte mit dieser Auszeichnung nicht nur den kenianischen Schriftsteller und Literaturtheoretiker Ngũgĩ wa Thiong’o, sondern rückte zugleich einen Kontinent in den Blick der Öffentlichkeit, der zunehmend auf partnerschaftliche Teilhabe in einer immer weiter globalisierten Welt dringt.</p>
<p>Im Juni 1962 fand erstmals eine „African Writers Conference“ am Makerere University College in Kampala, Uganda, statt. Hier kamen fast alle in englischer Sprache schreibende, afrikanische Autoren dieser Zeit zusammen. Neben Ngũgĩ  waren u.a. auch Chinua Achebe und Wole Soyinka anwesend.</p>
<p>Wegweisend war auch, so Ngũgĩ , die Konferenz „Against All Odds“ über afrikanische Sprachen und Literaturen“ in Asmara, Eritrea (11.-17.1.2000), aus der die „Asmara Deklaration“ hervorging und die den Zustand der afrikanischen Sprache innerhalb von Literatur, Bildung, Erziehung, Publikationen und in der Verwaltung innerhalb des afrikanischen Kontinents und weltweit untersucht. Rund 250 Studenten, Verleger und in einer afrikanischen Sprache schreibende Autoren waren gekommen, um über die afrikanische Literatur des 21. Jahrhunderts zu diskutieren. Kolonialismus und Neokolonialismus seien, so das Ergebnis dieser Konferenz, die wichtigsten Hürden, die die Sichtbarkeit der afrikanischen Sprachen und Literaturen verhindere. (10:41). Es bestehe bis heute ein fortdauerndes imperiales Kontinuum, das wie ein Fluch über Afrika liege und das Denken blockiere. „These two forces, in reality a single imperial continuum, still haunt Africa by blocking the mind of the continent and the world to the existence of African languages.“</p>
<p>Die „Against all Odds Confernece“ machte die tiefe Unstimmigkeit erkennbar, die entsteht, wenn in „imperialen“ Sprachen für den Kontinent gesprochen wird.“ So ergibt sich eine Art verdrehtes Bauchreden: Afrikanische Stimmen werden erst als in europäische Laute eingezwängte Töne erfahrbar. Was als afrikanische Literatur bezeichnet worden ist, war zumeist ein in europäischer Sprache verfasstes Werk.</p>
<p>Tatsache sei aber, dass afrikanische Werke, die in einer europäischen Sprache geschrieben worden sind, Afrika nicht in der Welt repräsentieren können. Afrika hat seine eigenen Sprachen. Abhilfe muss zuhause entstehen: die Regierungen Afrikas müssen damit aufhören, afrikanische Sprachen selbst zu kriminalisieren.</p>
<p>Doch auch von Seiten der ehemaligen Kolonialstaaten beobachtet Ngũgĩ  Widerstand. Man kämpfe mit Händen und Füßen und Geld gegen „das Anbrechen einer afrikanischen Zukunft“. Man könne nicht von einer Hierarchie der Sprachen Abschied nehmen, in der die imperialen Sprachen nicht an der Spitze stehen. „Ich hingegen sage: lasst uns alle gegen hierarchisch geprägte Beziehungen zwischen den Sprachen kämpfen, ringen wir vielmehr um ein Netzwerk der Gleichrangigen im Geben und Nehmen.</p>
<p>(Dieser Text erscheint gleichzeitig im Magazin Textor: <a href="https://textor.online/de/texte-detailseite/written-words-can-also-sing-zur-erinnerung-an-ngugi-wa-thiongo/">https://textor.online/de/texte-detailseite/written-words-can-also-sing-zur-erinnerung-an-ngugi-wa-thiongo/</a>)</p>
<p>Siehe auch meine Monografie: <a href="https://www.etk-muenchen.de/search/Details.aspx?sort=1&amp;q=Loimeier&amp;ISBN=9783869167428">https://www.etk-muenchen.de/search/Details.aspx?sort=1&amp;q=Loimeier&amp;ISBN=9783869167428</a><br />
sowie folgende YouTube-Beiträge:<br />
<a href="https://www.youtube.com/watch?app=desktop&amp;v=MByJX5uMV3c">https://www.youtube.com/watch?app=desktop&amp;v=MByJX5uMV3c</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://www.manfred-loimeier.de/zum-tod-von-ngugi-wa-thiongo/">Zum Tod von Ngũgĩ wa Thiong’o</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://www.manfred-loimeier.de">Manfred Loimeier</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Chimamanda Ngozi Adichie veröffentlicht ihren neuen Roman „Dream Count“</title>
		<link>https://www.manfred-loimeier.de/chimamanda-ngozi-adichie-veroeffentlicht-ihren-neuen-roman-dream-count/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Manfred Loimeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Apr 2025 14:56:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literaturen Afrikas]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es ist ein gutes Buch. Es ist kein spektakuläres Buch, und es ist auch nicht sensationell gut oder formal fantastisch geschrieben. Aber es ist ein gut und einfach zu lesendes Buch – ein Roman über die Zwischenbilanz von vier Frauen, darüber, was sie sich einst für ihr Leben erträumten und was daraus geworden ist. „Dream [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://www.manfred-loimeier.de/chimamanda-ngozi-adichie-veroeffentlicht-ihren-neuen-roman-dream-count/">Chimamanda Ngozi Adichie veröffentlicht ihren neuen Roman „Dream Count“</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://www.manfred-loimeier.de">Manfred Loimeier</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist ein gutes Buch. Es ist kein spektakuläres Buch, und es ist auch nicht sensationell gut oder formal fantastisch geschrieben. Aber es ist ein gut und einfach zu lesendes Buch – ein Roman über die Zwischenbilanz von vier Frauen, darüber, was sie sich einst für ihr Leben erträumten und was daraus geworden ist. „Dream Count“ heisst dieses Buch, und seine Autorin Chimamanda Ngozi Adichie schreibt ganz offen gegen Ende ihres Romans, dass ,dream count‘ selbstverständlich an ,body count‘ erinnert (Aus dem Englischen von Asal Dardan und Jan Schönherr, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 528 Seiten, 28 €). Und ,body count‘ ist für gewöhnlich die Bezeichnung zur Bestandsaufnahme gefallener Soldaten, umgangssprachlich meint das aber die Zahl der Personen, mit denen jemand, dezent formuliert, eine Beziehung führte.</p>
<p><strong>Unabhängig und wohlhabend</strong></p>
<p>Drei der vier Frauen sind sehr wohlhabend und ungefähr das, was die US-Autorin Taiye Selasi einst Afropolitans nannte: obere Mittelschicht, weit gereist und auf mehreren Kontinenten zuhause, zuletzt in den USA. Ihre Namen: Chiamaka, Omelogor und Zikora. Sie alle tragen Eigenschaften, die an Adichie selbst erinnern: Schriftstellerin die eine, Bloggerin die andere, über Mutterschaft sinnierende Frau die dritte. Ihre Psychen sind nicht besonders tief ausgelotet: optimistische Romantikerin die eine, lebenslustige Beziehungsscheue die andere, mit sich hadernde Zaudererin die dritte. Und dann ist da noch Kadiatou, die im Gegensatz zu den anderen nicht aus Nigeria, sondern aus Guinea-Conakry stammt. Als Mädchen wurde sie beschnitten, dann verheiratet und später als Witwe geächtet. In den USA erhielt sie Asyl, arbeitete als Bedienung, Raumpflegerin und bekommt von Chiamaka zusätzlich einen Job als Haushälterin angeboten.</p>
<p><strong>Konkreter Fall</strong></p>
<p>Ihren weiteren Job in einem Hotel befürchtet Kadiatou zu verlieren. Dort wurde sie nämlich von einem einflussreichen Mann bedrängt und genötigt, und das Verfahren gegen ihn, das auf Anzeige durch die Hotelleitung hin eingeleitet und dann von der Staatsanwaltschaft fallengelassen wird, zitiert den Skandal um Dominique Strauss-Kahn, den ehemaligen Direktor des Internationalen Währungsfonds. Sie sei einst, 2011, sehr ergriffen gewesen vom Schicksal der realen Nafissatou Diallo, schreibt Adichie im Nachwort zum Roman, und ihr Kapitel über Kadiatou bildet sowohl formal in der Mitte des Romans als auch emotional ergreifend geschrieben das Zentrum dieses Buchs.</p>
<p>Seine Qualität erhält der Roman durch Einblicke in den weiblichen Alltag in Nigeria und Guinea, in die Bedingungen und Folgen tradierter Verhaltensmuster und den Druck, der aufgrund gesellschaftlicher Erwartungen auf den Frauen lastet: der soziale Zwang, Kinder zu gebären, die entrechtete Position von Witwen. Zugleich geht es um intensive Tochter-Mutter-Beziehungen, um Abhängigkeiten, Fürsorge und Solidarität wie auch um das Wesen von Mütterlichkeit überhaupt und um Bindungsunfähigkeit. Zudem findet sich eingestreut in den Roman erneut deutliche Kritik am US-amerikanischen Way of Life, wie sie im Mittelpunkt von Adichies Romans „Americanah“ stand.</p>
<p><strong>Selbstbewusst und ehrlich</strong></p>
<p>Auch die Rivalitäten in Nigeria zwischen den Volksgruppen der Yoruba, Igbo und Hausa spricht Adichie an, wobei sie der allgemeinen Islamophobie entgegentritt und Omelogors Freundin Hauwa, eine Hausa, als aufgeschlossen und modern schildert, inklusive Drogenparties und Ladies Nights in Abuja.</p>
<p>So ist „Dream Count“ ein meinungsstarker Thesenroman, bisweilen plakativ, meist aber präzise formuliert. Aus ihm spricht das Selbstbewusstsein, zu sich selbst und der eigenen Gefühlswelt zu stehen – und die Konstellation der drei gut gebildeten Frauen erlaubt es Adichie, ihre Themen im Für und Wider zu erörtern. Der Kontrast zu Kadiatou wiederum veranschaulicht die gesellschaftliche Kluft, die unverändert zwischen den Menschen besteht, die einerseits miteinander, andererseits über andere sprechen – und wie verschieden Lebensträume sein können, abhängig von der sozialen Stellung. Mal geht es privilegiert um Empfindungen, mal substanziell um das tägliche Auskommen.</p>
<p>Kritisieren liesse sich vieles: die Konzentration auf Heterosexualität, das Fehlen männlicher Stimmen, das reine Oberschicht-Milieu. Aber über all das wollte Adichie offenbar nicht schreiben, und das ist in Ordnung so, denn das, worüber sie schreiben wollte, beschreibt sie gut.</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://www.manfred-loimeier.de/chimamanda-ngozi-adichie-veroeffentlicht-ihren-neuen-roman-dream-count/">Chimamanda Ngozi Adichie veröffentlicht ihren neuen Roman „Dream Count“</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://www.manfred-loimeier.de">Manfred Loimeier</a>.</p>
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		<title>Nobelpreisträger Abdulrazak Gurnah schildert die Schrecken der Sansibar-Revolution</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Manfred Loimeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Jun 2024 07:54:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literaturen Afrikas]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Von all den Büchern des Literaturnobelpreisträgers von 2021, die nicht in Zusammenhang mit der deutschen Kolonialherrschaft in Tansania stehen, ist Abdulrazak Gurnahs Roman „Das versteinerte Herz“ (Penguin Verlag, 362 Seiten, 21,99 Euro) das ergreifendste, berührendste und zugleich politischste Werk. Und selbstverständlich spart Gurnah nicht mit literaturhistorischen Anspielungen, die der Lektüre immer wieder eine neue Dimension [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Von all den Büchern des Literaturnobelpreisträgers von 2021, die nicht in Zusammenhang mit der deutschen Kolonialherrschaft in Tansania stehen, ist Abdulrazak Gurnahs Roman „Das versteinerte Herz“ (Penguin Verlag, 362 Seiten, 21,99 Euro) das ergreifendste, berührendste und zugleich politischste Werk. Und selbstverständlich spart Gurnah nicht mit literaturhistorischen Anspielungen, die der Lektüre immer wieder eine neue Dimension geben. Das beginnt schon beim Titel, der im englischen Original „Gravel Heart“ lautet und Williams Shakespeares Theaterstück „Measure for Measure“ („Mass für Mass“) zitiert. „Unfit to live or die. O, gravel heart!“, heisst es dort und bezeichnet treffend, worum es in diesem nun in deutschsprachiger Übersetzung vorliegenden Buch aus dem Jahr 2017 geht: verflochten zu sein in ihrerseits mehrfach verflochtene Geschichten, ohne dass es ein Entrinnen gibt.</p>
<p>Salim, wie die männliche Hauptfigur mit Vornamen heißt, kehrt aufgrund des Todes seiner Mutter in seine Heimat zurück, in die Küstenregion Tansanias am Indischen Ozean. Oft hat er sich gefragt, warum ihm sein Onkel Amir ein Studium in Großbritannien finanzierte, warum seine Eltern sich trennten und seine Mutter Saida seinem Vater Masud dennoch täglich Essen schickte. Nun erhält er Antworten, unschöne Antworten, die ihm offenbaren, wie ahnungslos und nicht zugehörig er sich nicht nur im britischen Ausland fühlt, sondern auch am Ort seiner Geburt und Jugend.</p>
<p>Sachte nähert sich die Handlung des Romans „Das versteinerte Herz“ dem zentralen Thema: sexueller Missbrauch und seine Folgen. Was zunächst wie eine private Eheangelegenheit erscheint, entpuppt sich bald als systematische, brutale Nötigung: Weil Saidas inhaftierter Bruder Amir nur dann freikommt, wenn Saida mit Hakim schläft, einem Minister der neuen Revolutionsregierung auf Sansibar, lässt Saida sich auf diese Erpressung ein. Hakim will aber immer mehr, Saida wird schwanger, ihre Beziehung zu Masud untragbar, Am Ende wird Saida Hakims Frau, Masud geht ins Ausland, Amir kommt frei und begleicht seine Schuld an Salim.</p>
<p>Aber wie geht Salim mit dieser Wahrheit um? Die Unterstützung, die er erhielt, beruht auf dem Missbrauch seiner Mutter, und sein Stiefvater Hakim ist der Vergewaltiger seiner Mutter. Entgegen dem Theaterstück Shakespeares, in dem es um ebensolchen Machtmissbrauch geht, findet sich in Gurnahs Roman kein Retter ex machina, der den Frevel sühnt.</p>
<p>Zudem sind es die Männer, die in diesem Buch die Geschichten erzählen, Frauen kommen nur indirekt vor. Das muss hier leider so sein, denn unter der Oberfläche des privaten Dramas liegt eben das gesellschaftliche Drama Sansibars in den Jahren, die der Revolution von 1964 folgten. Damals wurde das arabisch geprägte Sultanat Sansibar von afrikanischen Rebellen gestürmt, die dort und auch auf dem Festland entlang des Küstenstreifens am Indischen Ozean Jagd machten auf alle, die als Profiteure oder Repräsentanten des Sultanats galten. Und die ersten und meisten Opfer waren die Frauen der verfolgten nichtafrikanischen Bevölkerungsgruppen. Sie wurden zu Freiwild erklärt, zwangsverheiratet, geschändet – und zwar ganz offiziell per Regierungsdekret, so schlimm und unverfroren, dass erst 1970 internationale Proteste fruchteten und diesem sexuellen Massaker ein Ende bereiteten.</p>
<p>Gurnah erzählt diese auf mehreren Ebenen angesiedelte Geschichte sehr feinfühlig und zart. Es geht ihm vordergründig nicht um Anklagen, Vorwürfe, Vergeltungsansprüche. Es geht ihm darum, wie Menschen leben, die derlei tragisches Gepäck in ihrem Inneren tragen, oder die noch immanent betroffen sind von diesen lebensprägenden Schicksalen ihrer Vorfahren. Das ist es, was den Roman „Das versteinerte Herz“ trotz seiner Geschichte so nah und ansprechend macht – vor allem auch, weil damit ja doch die Geschichte und das Schicksal der Mutter Saida erzählt wird, die niemals aufhörte, an ihren Mann zu denken, und die sich opferte, um ihren Bruder zu retten und ihrem Sohn die Zukunft nicht zu verbauen. Es ist Gänsehautlektüre angesichts dieser Frau, die in ihrem versteinerten Herz die Liebe bewahrte, und die als Beispiel steht für viele weitere, bisher nie wahrgenommene oder gewürdigte Frauen.</p>
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		<title>Tierno Monénembo entlarvt Guineas ersten Präsidenten Sékou Touré</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Manfred Loimeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Jun 2024 07:48:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literaturen Afrikas]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Guinea-Conakry ist ein im afrikanischen Vergleich kleiner Küstenstaat im Westen des Kontinents. Dennoch hat das Land, immerhin so groß wie die alte Bundesrepublik Deutschland, in der Geschichte der Unabhängigkeiten eine große Rolle gespielt. Sein erster Staatschef Sékou Touré wurde weithin bewundert und galt als Idol etwa in Kuba oder der DDR. Diese politische Figur hat [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Guinea-Conakry ist ein im afrikanischen Vergleich kleiner Küstenstaat im Westen des Kontinents. Dennoch hat das Land, immerhin so groß wie die alte Bundesrepublik Deutschland, in der Geschichte der Unabhängigkeiten eine große Rolle gespielt. Sein erster Staatschef Sékou Touré wurde weithin bewundert und galt als Idol etwa in Kuba oder der DDR. Diese politische Figur hat der vielfach preisgekrönte guineische Schriftsteller Tierno Monénembo in seinem jüngsten Roman „Indigoblau“ einer kritischen Betrachtung unterzogen</em><em>.</em></p>
<p>Es ist, das sei vorweggeschickt, kein einfach zu lesendes Buch. Der Schriftsteller Tierno Monénembo ist eben ein unglaublich kluger und vielbelesener Mensch, und so schreibt er auch. Zahlreiche renommierte Literaturpreise hat er dafür erhalten, etwa den Prix Tropique, den Prix Renaudot, den Prix Ahmadou Kourouma und allen voran den Grand prix littéraire d’Afrique noir. Monénembo, der nach seiner frühen Flucht aus Guinea in Lyon studierte und seit vielen Jahren in den USA lehrt, arbeitet gern mit literarischen Querverweisen – und zwar auf die gesamte Weltliteratur.</p>
<p>Das ist auch in seinem jüngsten Roman „Indigoblau“ so (Peter Hammer Verlag, 268 Seiten, 28 Euro), in dem sich Anspielungen auf Dostojewski, Foucault, Dadié, Marcuse oder Solschenizyn finden lassen und ebenso auf Klassiker des französischen Kinos oder Chansons. Was aber auch interessant zu wissen ist: Tierno Monénembos Geburtsname lautet Thierno Saïdou Diallo. Geboren wurde Monénembo 1947 als Sohn eines Beamten, und mit 22 Jahren floh er zu Fuß nach Senegal und begann danach in der Elfenbeinküste zu studieren. Warum aber ist das wissenswert? Nun, Diallo heißt eine der tragenden Figuren in diesem Roman, und Diallo, Doktor Diallo genauer, ist eine tragische, unglückliche Figur.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Dazu sagt Monénembo selbst:</em></p>
<p><em>Im Guinea jener Jahre herrschte ein Klima furchtbarer Repression. Alle Welt verließ das Land, es gab drei Millionen Exilierte. Ich wurde zwar nicht persönlich bedroht oder veranlasst, Guinea zu verlassen, aber es herrschte ein Klima, das dazu beitrug, dass ein Großteil der Bevölkerung Guinea verließ. Es gab kaum eine Familie in Guinea, im der nicht mindestens ein Familienmitglied bedroht worden wäre. Vor diesem Hintergrund habe ich Guinea verlassen.</em></p>
<p><em> </em></p>
<p>Und damit sind wir beim Thema. Hauptfigur des Romans „Indigoblau“ ist die junge Atou, die später erfahren wird, dass sie eigentlich Véronique Bangoura heißt. Atou ist auf der Flucht, weil sie ihren Vater, der eigentlich ihr Stiefvater ist, wie sie später erfahren wird, ermordete, nachdem er sie vergewaltigen wollte. Diese Flucht führt sie nach Frankreich, wo sie eine ältere Nachbarin kennenlernt, die Atou immer wieder nach ihrer Herkunft aus Guinea befragt. Und das führt schließlich zur Offenlegung mehrerer Geheimnisse.</p>
<p>Die Nachbarin war nämlich einst mit einem Mann aus Guinea verheiratet, den Sékou Touré als Opponenten hinrichten ließ. Ihrer beider Sohn ist seither verschwunden. Und auch Atous Schicksal ist damit verknüpft. Aber da ist dann noch ein Mann, der auspackt, ein Mann mit einer Jacke in Indigoblau. Er erzählt Atou, also Véronique Bangoura, von der Terrorpraxis jener Jahre unter Sékou Touré, der Regimegegner ermorden und binationale Ehepaare trennen ließ. Europäische Ehepartner wurden ausgewiesen, ihre Kinder zur Adoption freigegeben. Doktor Diallo ist so ein Kind, ebenso Atou, alias Véronique Bangoura.</p>
<p>Der Roman „Indigoblau“ handelt also von einem furchtbaren Verbrechen, das zwar aus den Militärdiktaturen Spaniens und Argentiniens bekannt ist, nicht aber aus Guinea. Monénembo geht es aber um noch viel mehr: Er fragt nach der grundsätzlichen und immer wiederkehrenden Bereitschaft von Menschen, einander zu morden – und so verwundert es nicht, dass Doktor Diallo letztlich am Leben verzweifelt.</p>
<p>Als Lektüre ist das erträglich, weil Monénembo so schreibt, wie er schreibt: es sind ineinander verschachtelte Erzählungen, sich überlagernde Erinnerungen, Schilderungen des Alltags und des Nachtlebens in Conakry. In den Clubs und Bars tobt die Musik afrikanischer Popstars, während tagsüber Schmutz, Arbeitslosigkeit und Kriminalität sichtbar werden. So zeigt Monénembo auch die Gegenwart Guineas, die tägliche Mühsal der Bevölkerung – und zwar meisterhaft.</p>
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		<title>Sabine Müller und Holger Fock übersetzen Mohamed Mbougar Sarr</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Manfred Loimeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Sep 2023 14:33:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literaturen Afrikas]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sabine Müller und Holger Fock leben bei Heidelberg und zählen zu Deutschlands besten Übersetzern. Auch den mit dem Prix Goncourt ausgezeichneten Roman „Die geheimste Erinnerung der Menschen“ von Mohamed Mbougar Sarr haben sie ins Deutsche übertragen. Wie arbeiten Sie zusammen? Setzen Sie sich gemeinsam an den Text, oder arbeiten Sie abschnittsweise? Holger Fock: Einer von [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Sabine Müller und Holger Fock leben bei Heidelberg und zählen zu Deutschlands besten Übersetzern. Auch den mit dem Prix Goncourt ausgezeichneten Roman „Die geheimste Erinnerung der Menschen“ von Mohamed Mbougar Sarr haben sie ins Deutsche übertragen.</p>
<p>Wie arbeiten Sie zusammen? Setzen Sie sich gemeinsam an den Text, oder arbeiten Sie abschnittsweise?<br />
Holger Fock: Einer von uns beiden macht die Roh-, die Erstübersetzung. Dazu gehören auch Recherchen – Anspielungen, Zitate. Dann geht es zum anderen, der überarbeitet es und schickt es zurück. Dann wird es wieder überarbeitet, und bei schwierigen Büchern wie bei Sarr kann es schon sechs, sieben Überarbeitungsphasen geben.<br />
Sabine Müller: Das ist oft von Kapitel zu Kapital verschieden. Es gibt bei Sarr ein Kapitel, das nur aus einem Satz besteht, ein Stream of Consciousness. Da muss man sehr auf den Rhythmus achten, damit das innere Sprechen laut wird. Und auf die Satzmelodie – mein Mann arbeitet häufig mit Musik.<br />
Fock: Heavy Metal …<br />
Müller: In meinem Arbeitszimmer höre ich immer die Bässe.</p>
<p>Das treibt voran …<br />
Fock: Ja, das treibt voran und gibt einen Grundrhythmus.</p>
<p>Sie sprachen von Recherchen – wie viel Arbeit fällt da an?<br />
Müller: Wenn ich beim Übersetzen auf ein Problem stoße, dann suche und lese ich im Umfeld. Bei Sarr wird man zum Beispiel mit afrikanischen Mythologien konfrontiert, die man nicht einschätzen kann. Also recherchiert man und liest alles Mögliche dazu. Das Buch ist durchsetzt mit Anspielungen, die wir erkennen und entsprechend übersetzen müssen. Manchmal mussten wir Wörterbücher afrikanischer Sprachen konsultieren: Wolof-Französisch oder Serer-Französisch. Wichtig sind auch literarische Referenzen, wie Roberto Bolaño oder Witold Gombrowicz. Sprachduktus und und Erzählstrukturen erinnern an Bolaños Romane „Die wilden Detektive“ und „2666“.<br />
Fock: Man merkt, dass Sarr damit zu schreiben gelernt hat.</p>
<p>Sie haben im Sommersemester 2022 mit einer Gruppe Studierender am Institut für Übersetzen und Dolmetschen der Universität Heidelberg zu dem Buch gearbeitet. Hat Sie das beeinflusst?<br />
Fock: Dazu muss man sagen, dass die Art des Übersetzens, die dort gelehrt wird, kein literarisches Übersetzen ist, sondern Fachübersetzen, Dolmetschen. Aber manche Studierende haben ein ausgeprägtes Interesse an Literatur, wobei sie über französischsprachige afrikanische Literatur und insbesondere Sarr wenig wussten. Zudem arbeiteten wir mit Passagen, die ich schon mit meiner Frau übersetzt hatte und die ich gut erklären konnte. Es geht beim literarischen Übersetzen vor allem um stilistische Dinge, unterschiedliche Tonlagen, sprachliche Register und eine gute Beherrschung der deutschen Sprache mit ihrem komplizierten Satzbau. Natürlich haben wir auch Anregungen für unsere Arbeit aufgenommen. Bei manchen Aspekten kann man durchaus unterschiedlicher Meinung sein. Durch die verschachtelte Erzählstruktur in Sarrs Roman ist es schwierig, die Zeitebenen auseinanderzuhalten, zumal da im französischen Original nicht immer eine klare Linie herrscht. Das geht oft im Deutschen so nicht, also haben wir an einigen Stellen das Tempus der im Deutschen üblichen Zeitenfolge angepasst. Das wurde dann kontrovers diskutiert.</p>
<p>Wie oft hatten Sie Kontakt mit Mohamed Mbougar Sarr?<br />
Fock: Anfangs hatten wir zwei-, dreimal E-Mail-Kontakt. Was schwierig ist, denn seit Sarr den Prix Goncourt bekommen hat, ist er ständig unterwegs, um eine Neuausgabe zu präsentieren – das Buch ist bis jetzt in 33 Sprachen übersetzt worden. Dann gab es zwei Zoom-Meetings, um unsere Fragen zu besprechen. Bei der Buchvorstellung in Berlin haben wir ihn schließlich persönlich kennengelernt.</p>
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		<title>Mohamed Mbougar Sarr stellt seinen neuen Roman „Die geheimste Erinnerung der Menschen“ vor</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Manfred Loimeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Sep 2023 14:32:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literaturen Afrikas]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Autorinnen und Autoren aus Afrika werden bei Lesungen oftmals gefragt, ob sie sich – da sie meist in Frankreich, Großbritannien oder den USA leben – überhaupt als afrikanische Literaten verstehen. Was diese Frage bedeute, erwidern manche der Autoren dann gern, generell afrikanische Literatur gebe es sowieso nicht und die Frage sei geradezu rassistisch, denn Schriftsteller [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Autorinnen und Autoren aus Afrika werden bei Lesungen oftmals gefragt, ob sie sich – da sie meist in Frankreich, Großbritannien oder den USA leben – überhaupt als afrikanische Literaten verstehen. Was diese Frage bedeute, erwidern manche der Autoren dann gern, generell afrikanische Literatur gebe es sowieso nicht und die Frage sei geradezu rassistisch, denn Schriftsteller aus dem arabischen Raum oder aus Lateinamerika, die ebenfalls gern in Paris oder Madrid leben, würden nichts dergleichen gefragt.<br />
Als im Jahr 1968 unter dem Namen Yambo Ouologuem der Roman „Das Gebot der Gewalt“ erschien, bejubelte die Literaturkritik dieses Buch und verlieh ihm den Prix Renaudot. Die Rezensenten gingen beim Autorennamen von einem Pseudonym aus, denn sie bezweifelten, ein Afrikaner könne so ein Buch geschrieben haben.<br />
Anspielungen und Bezüge<br />
Als sich zeigte, dass der belesene Autor mit literarischen Anspielungen, Querverweisen, Zitaten und Textversatzstücken etwa von Graham Greene, Gustave Flaubert, Guy de Maupassant, Tacitus oder aus der Bibel arbeitete, und dass er zudem europäische Ethnologen wie den Deutschen Leo Frobenius karikierte, wurde dem in Paris lebenden, in Mali gebürtigen Schriftsteller Ouologuem vorgeworfen, ein Plagiator zu sein.<br />
Verspielte Souveränität im Umgang mit Weltliteratur wurde Ouologuem nicht zugestanden. Der folgende Literaturskandal – der Verlag nahm den Titel aus dem Handel, der Autor zog sich nach Mali zurück – ist unvergessen, noch 2008 erschien in den USA ein „Yambo Ouologuem Reader“.<br />
Anspruch auf Weltliteratur<br />
Um diesen Skandal dreht sich die Handlung in Mohamed Mbougar Sarrs im Vorjahr mit dem Prix Goncourt ausgezeichneten Roman „Die geheimste Erinnerung der Menschen“. Es ist ein – Yambo Ouologuem gewidmeter – Roman über die Bedeutung von Literatur, der sich wie „Das Gebot der Gewalt“ mit zahlreichen Bezügen in die Weltliteratur einreiht.<br />
Sarr spielt mit der Namensgebung seiner Figuren – Bercoff, Bollème, Engelmann, Jacob, Lamiel, Maximin, Nanga – auf einen französischen Autor, eine Flaubert-Expertin, einen deutschen Verleger, eine deutsche Slawistin und eine im KZ Riga ermordete Jüdin, einen Roman Stendhals, einen Musiker und eine kamerunische Textildesignerin an.<br />
Im Namen der Hauptfigur, des jungen Möchtegernliteraten Diégane Latyr Faye verstecken sich Anspielungen auf den in Westafrika berühmten Film „Mossane“ – so heißt auch eine der weiblichen Hauptfiguren in der verschachtelten Geschichte des Romans „Die geheimste Erinnerung der Menschen“ –, gedreht 1996 von Safi Faye mit einem Diogoye als Gegenspieler Mossanes.<br />
Sarrs Frage ist nach wie vor: Wann wird ein Autor aus Afrika als gleichberechtigte maßgebliche literarische Stimme gehört, wie weit muss er sich europäisieren, wie sehr muss er sich entafrikanisieren, um ernstgenommen zu werden, wie afrikanisch muss er bleiben, um Exotismuserwartungen und Voyeurismus zu bedienen?<br />
Sarr webt die Handlung um die Suche nach dem verschollenen Exemplar des umstrittenen Romans von Autor Elimane Madag Diouf – der sich mit kompatiblerem Pseudonym für die europäische Leserschaft T.C. Elimane nennt –, in ein engmaschiges Sicherheitsnetz, das sich auf Karl Jaspers Philosophie und die Fantastik von Jorge Luis Borges, Adolfo Bioy Casares, Julio Cortázar und Ernesto Sabato oder die komische Tragik im Werk von Witold Gombrowicz bezieht.<br />
Werk zu entdecken<br />
Lieferte der italienische Autor Italo Calvino mit dem Roman „Wenn ein Reisender in einer Winternacht“ 1979 einen Streifzug durch die Stile und Genre der Weltliteratur, liefert der senegalesische Autor Sarr mit seinem Roman „Die geheimste Erinnerung der Menschen“ eine labyrinthische Suche nach der Wirkung von Literatur. Die Handlung steht dabei eher im Hintergrund, sie ist nur der Schlüssel in die fantastische Dimension der Weltliteratur.<br />
Und vielleicht trägt Sarrs Buch dazu bei, nach der Neuedition des Romans „Das Gebot der Gewalt“ 2019 im Zürcher Elster-Verlag nun auch die weiteren Bücher des 2017 in Mali gestorbenen und als äußerst witzig geschilderten Ouologuem zu veröffentlichen: den kolonialismuskritischen Essay „Lettres à la France nègre“, das erotische Märchenbuch „Les Milles et Une Bibles de Sexe“ oder die beiden Liebesromane „Le secret des orchidées“ und „Les Moissons de l’amour“.</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://www.manfred-loimeier.de/mohamed-mbougar-sarr-stellt-seinen-neuen-roman-die-geheimste-erinnerung-der-menschen-vor/">Mohamed Mbougar Sarr stellt seinen neuen Roman „Die geheimste Erinnerung der Menschen“ vor</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://www.manfred-loimeier.de">Manfred Loimeier</a>.</p>
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		<title>Felwine Sarrs Roman &#8222;Die Orte, an denen meine Träume wohnen&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Manfred Loimeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Sep 2023 14:26:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literaturen Afrikas]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bekanntgeworden ist der senegalesische Autor und Wirtschaftsprofessor Felwine Sarr vor etlichen Jahren zum einen durch seinen Essay „Afrotopia“ mit dem Entwurf einer glücklichen Zukunft Afrikas und zum anderen durch den gemeinsam mit Bénédicte Savoy für den französischen Präsidenten Emmanuel Macron verfassten Bericht „Zurückgeben. Über die Restitution afrikanischer Kulturgüter“. Nun hat Sarr einen Roman veröffentlicht, der [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Bekanntgeworden ist der senegalesische Autor und Wirtschaftsprofessor Felwine Sarr vor etlichen Jahren zum einen durch seinen Essay „Afrotopia“ mit dem Entwurf einer glücklichen Zukunft Afrikas und zum anderen durch den gemeinsam mit Bénédicte Savoy für den französischen Präsidenten Emmanuel Macron verfassten Bericht „Zurückgeben. Über die Restitution afrikanischer Kulturgüter“.</p>
<p>Nun hat Sarr einen Roman veröffentlicht, der die philosophische Seite dieses Autors zeigt, und nein, es ist nicht so, dass Sarr kürzlich erst beschlossen hat, neben seinen zahlreichen Sachbüchern nun auch noch Autor fiktionaler Bücher zu werden. Bereits im Jahr 2009 hat der heute 51-jährige Sarr einen ersten Roman veröffentlicht: „Dahij“, über die Suche eines jungen Mannes nach seiner Identität. Auch einen Theatermonolog hat Sarr geschrieben, sowie eben Sachbücher über Migration, Entfremdung und Heimkehr.</p>
<p>Was ebenfalls kaum bekannt ist: Begonnen hat Sarr, der an der Duke Universität in den USA Wirtschaftswissenschaften unterrichtet, seine künstlerische Laufbahn als Musiker. Sarr kommt schliesslich aus einer Musikerfamilie, gründete schon 1993 eine Musikband und veröffentlichte mehrere Alben, darunter zwei Solo-LPs. Kurzum: Felwine Sarr ist ein künstlerisches Multitalent, und seine beiden grossen Themen sind erstens eine selbstbestimmte Zukunft Afrikas und zweitens die Frage: Wo und was ist mein Platz in dieser Welt, wofür leben wir – und wie gemeinsam am besten? Und so ist es kaum verwunderlich, dass sich Sarrs neuer, zweiter Roman „Die Orte, an denen meine Träume wohnen“, zum Teil auch wie eine Selbstbefragung des Autors liest:</p>
<p>Sarr erzählt die Handlung seines Romans aus mehreren Perspektiven, überwiegend aber als parallele Lebensgeschichte zweier Brüder. Der eine, Fodé, lebt als Schreiner in Westafrika, der andere, Bouhel, geht zum Studium der Semiotik nach Europa. Fodé lebt mit seiner Frau Marème zusammen, Bouhel lernt die polnische Studentin Ulga kennen. Fodé wird von einem alten Weisen zum Hüter afrikanischer Spiritualität erwählt und verkörpert die Kultur der Volksgruppe der Serer. Bouhel geht mehrere Wochen in ein Kloster und wird dort in christlicher Religion und Mystik unterwiesen. Fodé tötet als spiritueller Führer einen bösen Geist, Bouhel erschlägt aus Notwehr den psychisch instabilen Bruder Ulgas. Bouhel wird daraufhin verhaftet, aber ein Zauber, den Fodé an Ulga schickt, verkürzt seine Haft. Und Ulga, die zwar Naturwissenschaften studiert, sieht dennoch ihr Vertrauen in die für sie unerklärlichen Kräfte Fodés wie auch immer bestätigt.</p>
<p>Es liegt nahe, die beiden Lebensentwürfe von Fodé und Bouhel als gegensätzlich miteinander zu vergleichen: Zum einen der Wechsel von vita activa und vita contemplativa, ganz wie bei Hermann Hesse, zwischen einem Leben im Alltag und dem Alltag im Kloster. Zum anderen hier die europäische Rationalität und Wissenschaftlichkeit, dort die afrikanische Magie, Spiritualität und die Riten der Initiation. Aber gerade so ist es nicht, sondern es geht Sarr vielmehr darum, zu zeigen, dass sich Wissen und die Suche nach Erkenntnis hier wie dort ergänzen.</p>
<p>Sarrs Sprache ist dabei von Rhythmik und Musikalität geprägt, und in seinem Buch nennt er die Lieder und Interpreten, die er während des Schreibens hörte und die auch seine Figuren hören: Cesária Évora von den Kapverden etwa, oder Wasis Diop aus Senegal. Und mit einer Vielzahl weiterer Anspielungen und Würdigungen öffnet Sarr ein breites Spektrum kultureller Fixpunkte, die sein Denken und Schreiben beeinflussen. Und so ist der von Doris Heinemann gut übersetzte Roman „Die Orte, an denen meine Träume wohnen“ nicht nur ein Roman, sondern zugleich ein reflexiver Text über das Verhältnis von Kunst und Alltag, von Wissen und Glaube, von Vernunft und Neugier. Oder wie Immanuel Kant das Thema ausdrücken würde: Was kann ich wissen, was darf ich hoffen, was soll ich tun?</p>
<p>Felwine Sarr: Die Orte, an denen meine Träume wohnen. Aus dem Französischen von Doris Heinemann. S. Fischer Verlag, 2023, 192 Seiten, 24 Euro.</p>
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		<title>Felwine Sarr hat mit &#8222;Die Orte, an denen meine Träume wohnen&#8220;, einen philosophischen Roman veröffentlicht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Manfred Loimeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Sep 2023 14:25:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literaturen Afrikas]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Herr Sarr, Ihr Roman „Die Orte, an denen meine Träume wohnen“ lässt sich auf vielerlei Weise lesen: auf einer kulturellen Ebene als Gegenüberstellung Europas und Afrikas im Sinne von Rationalität versus Spiritualität; auf einer kulturhistorischen Ebene als Kritik der Negritude, die europäische Vernunft und afrikanisches Gefühl postulierte; auf einer literarischen Ebene als Hermann Hesses Grundfrage [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Herr Sarr, Ihr Roman „Die Orte, an denen meine Träume wohnen“ lässt sich auf vielerlei Weise lesen: auf einer kulturellen Ebene als Gegenüberstellung Europas und Afrikas im Sinne von Rationalität versus Spiritualität; auf einer kulturhistorischen Ebene als Kritik der Negritude, die europäische Vernunft und afrikanisches Gefühl postulierte; auf einer literarischen Ebene als Hermann Hesses Grundfrage zwischen vita activa oder vita contemplativa; schließlich auf einer (teil-)autobiografischen Ebene: der Ökonom und der Philosoph; und schließlich auf einer ethischen Ebene im Sinne der Frage, wie die Menschen dieser Welt miteinander umgehen. Was davon trifft zu?</p>
<p>Felwine Sarr: In der Tat besteht meines Erachtens kein Gegensatz zwischen Rationalität und Spiritualität. Es ist vielmehr interessant, dass die Wissensorte Afrikas als esoterische, spirituelle oder magische Orte wahrgenommen werden und man verweigert, sie als Wissensorte zu sehen. Sehen Sie, die Schauplätze von Initiationen sind Orte, an denen das Wissen einer Gemeinschaft übertragen wird. Die Lieder, die die Initianden lernen, sind Lieder, die aus einer rhythmischen Folge von Vokalen und Konsonanten bestehen, um so das Gedächtnis zu schulen. Das ist eine Mnemotechnik, und sie lernen damit die Position der Sterne, um die Lage des Meeres verorten zu können, sie lernen, welche Pflanzenwurzeln essbar sind. Das alles ist Wissen über Realität, Wissen, das fürs Überleben erforderlich ist.</p>
<p>Und wo ist dabei die Spiritualität?</p>
<p>Sarr: Innerhalb dieses Wissensbereichs gibt es ein Wissen, das die bekannten physikalischen Gesetze von Raum und Zeit übersteigt – seinen Körper zu verlassen und zu reisen, die Begrenzungen des Raumes zu überschreiten. Was ich wünschte, ist eine Epistemologie, eine Erkenntnistheorie, die vorsieht, dass es ein Wissen jenseits der Begrenzungen der klassischen Physik Newtons gibt. Es geht um ein Wissen, das sich außerhalb des bekannten rationalen Wissens befindet. Das hat überhaupt nichts mit dem Klischee Vernunft hier, Gefühl dort zu tun. Sondern diese Vorstellung von Leben geht von einer Einheit des Lebens aus. Wenn man seinen Körper verlässt, wenn man die Gestalt eines Vogels oder eines anderen Tieres annehmen kann, wenn man die Trennung zwischen Mensch und Tier aufhebt, dann kann man auch die Eigenschaften eines Baumes annehmen, zum Baum werden. Man kann eine Lebensform leben und in eine andere Lebensform wechseln – das ist eine ökologische Auffassung, keine esoterische. Es gibt eine Wissensauffassung, die von einer Pluralität an Dimensionen ausgeht, die das rationale Wissen dessen übersteigen, was die die klassische Physik ist.</p>
<p>Wenn Sie gewohnte Gegensätze als Einheit sehen, ist dann auch Hermann Hesses Unterscheidung zwischen vita activa und vita contemplativa für Sie kein Gegensatz?</p>
<p>Sarr: Grundsätzlich: Ja, ich stimme zu, dass es in meinem Roman um die Entscheidung zwischen vita activa und vita contemplativa geht. Die eine Hauptfigur, Bouhel, geht in ein Kloster und vertraut sich Bruder Tim an. Indem Bouhel ins klösterliche Exil geht, um ein neues Leben zu beginnen, macht er den Schritt eines vita activa. Aber im Kloster findet er Stille und die Möglichkeit zur Innenschau, zum Nachdenken. Er begreift aber auch, dass es nicht sein Leben ist, sich zurückzuziehen, zu meditieren und ein Leben zu führen, das aus Ruhe und Zurückgezogenheit besteht. Hier findet sich in der Tat diese von Hermann Hesse beschriebene Spannung zwischen vita activa und vita contemplativa, wie sie sich auch in Büchern Hannah Arendts findet, in „Vita activa oder Vom tätigen Leben“, ebenso wie in der japanischen Kultur oder in der Kultur der islamischen Sufi. Vielleicht ist Literatur der Ort, an dem es gelingen kann, im aktiven Leben ein spirituelles Leben zu führen – ein spirituelles Leben, das sich nicht von der Welt separiert.</p>
<p>Und ist das auch Ihre Erfahrung? Bouhel gibt Bruder Tim seinen ersten Roman über eine Suche nach Identität zu lesen, wie auch Ihr eigener erster Roman die Suche nach Identität schildert . . .</p>
<p>Sarr: Auch da haben Sie recht, es gibt hie und da Momente, die ich einstreue. Ich denke nicht, dass man in einem Roman sein eigenes Leben erzählt, aber man spricht von seiner Existenz, von der Existenz anderer Leben und von Dingen, die man gesehen hat, neu formuliert und fiktionalisiert. Man wählt diejenigen Elemente seiner Existenz aus, macht sie zum literarischen Objekt, holt sie aus ihrer Isolation, die es erlauben, eine existenzielle Frage zu thematisieren und über das Leben nachzudenken. Und ja, mein erster Roman ist wie Bouhels erster Roman ein Roman über eine Suche.</p>
<p>Und was folgt aus diesen Überlegungen mit Blick auf das Zusammenleben von uns Menschen?</p>
<p>Sarr: Man muss sich vorstellen, dass Bouhel, der aus Afrika kommt, sich fragt, wie er in der Familie seiner Freundin Ulga aufgenommen wird: Gibt es Rassismus, wird er akzeptiert? Aber Ulgas Eltern heißen den Studenten aus Afrika willkommen. Das ist eine ethische Entscheidung: die Möglichkeit einer Begegnung außerhalb des Vertrauten zuzulassen. Es gibt kein Befremden, es gibt keinen kulturellen Austausch, aber es gibt eine Ebene der Humanität. Was auch interessant ist: Ulga lässt eine Dimension zu, die ihr Vorstellungsvermögen übersteigt. Sie akzeptiert die Aufforderung von Bouhels Bruder aus Afrika, ein bestimmtes Samenkorn zu finden und zu glauben, dass dieses Samenkorn es vermag, Bouhel aus der Haft zu holen.</p>
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