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	<title>US-Literatur Archive &ndash; Manfred Loimeier</title>
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		<title>Zora Neale Hurstons Autobiografie &#8222;Spuren im Staub&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Manfred Loimeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 21 Mar 2026 11:08:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literaturen Afrikas]]></category>
		<category><![CDATA[US-Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Versuchung ist groß, durch den Schleier einer Autobiografie die Person zu beurteilen, die die sich in den Schleier dieser Autobiografie hüllt. Gerade bei Zora Neale Hurston, der bekanntesten Autorin der Harlem Renaissance, ist diese Versuchung besonders groß. Die Schriftstellerin und Anthropologin aus Florida, die zwischen den beiden Weltkriegen mit Romanen, Musicals, Essays und ethnologischen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Versuchung ist groß, durch den Schleier einer Autobiografie die Person zu beurteilen, die die sich in den Schleier dieser Autobiografie hüllt. Gerade bei Zora Neale Hurston, der bekanntesten Autorin der Harlem Renaissance, ist diese Versuchung besonders groß. Die Schriftstellerin und Anthropologin aus Florida, die zwischen den beiden Weltkriegen mit Romanen, Musicals, Essays und ethnologischen Schriften für Aufsehen sorgte, die ihr Alter um zehn Jahre senkte und die in einen Plagiatsskandal geriet, hielt sich, was ihr Privatleben betrifft, stets bedeckt – und verleitete gerade damit zu allerlei Spekulationen. Und weil sie in den 1950ern vollkommen in Vergessenheit geriet und erst durch Alice Walkers Engagement Mitte der 1970er Jahre wiederentdeckt wurde, ist das biografische Material zu Hurston sehr übersichtlich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Sprachspiele und Selbstironie</p>
<p>Nun (wieder-)veröffentlicht der Zürcher Verlag Nagel und Kimche mit dem Buch „Spuren im Staub“ (431 Seiten) die auf Deutsch erstmals im Jahr 2000 bei Ammann unter dem Titel „Ich mag mich wenn ich lache“ verlegten Memoiren Hurstons. Und diese Memoiren zeigen das sprachliche und dramaturgische Talent der Autorin, leben vom Witz und der Selbstironie der Schriftstellerin, von ihrem Spiel mit Slang und Code-Switching und der Integration von Südstaaten-Sprichwörtern und unverblümten Schimpfwörtern sowie von gekonntem Spannungsaufbau und zielsicherer Pointierung. „Spuren im Staub“, 1942 erstveröffentlicht und selbst in den USA erst 1991 wieder neu herausgebracht, bietet damit eine großartige Lektüre.</p>
<p>Das Buch zeigt aber auch, wie sehr die Autorin von Fürsprechern und Mäzenen, von Stipendien und Stiftungen abhängig war, und wie sehr diese Gönner und Institutionen Hurstons Publikationen steuerten. Und wie deutlich Hurstons Meinung mitunter von dem abwich, was sich zu schreiben ziemte. Es muss für Hurston ein schwieriger Spagat gewesen sein, wie es sich vor allem in den beiden Kapiteln zu Religion und Rassismus zeigt, in denen Hurston auf schwankendem Boden nicht mehrheitsfähiger Theorien taumelt: ihre Behauptung einer Chancengleichheit von schwarzen und weißen US-Amerikanern etwa oder ihre Gleichsetzung aller Religionen, die sie zugleich als unmaßgeblich ablehnt, als pures Spektakel beschreibt und sich dennoch in verschiedenen Formen des Voodoo-Kults initiieren lässt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ausgezeichnete Edition</p>
<p>Hier bewährt sich die fast schon antiquiert anmutende detailgenaue und penible Editionstätigkeit der ausgezeichneten Übersetzerin Barbara Henninges. Ihre Anmerkungen nehmen ein Drittel dieser Ausgabe ein und beantworten Fragen zur Person Hurstons. Insbesondere aber drei Kapitel, deren jeweilige Originale der veröffentlichten Version hintangestellt sind, zeugen vom Wirken und Eingreifen eines vormaligen Lektors.</p>
<p>Was in Hurstons Autobiografie nämlich auch erstaunt, ist das weitgehende Fehlen jeglicher Konflikte zwischen Schwarz und Weiss, so auch die verblüffend geschilderte allseitige Harmonie in Hurstons vorgeblicher Geburtsstadt Eatonville (tatsächlich kam sie nicht in Florida, sondern in Alabama zur Welt).</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Erwartungen der Leserschaft</p>
<p>Wurde aber bereits die US-kritische Positionierung in den Originalkapiteln umformuliert, welche Chancen auf Veröffentlichung hätten da etwaige Schilderungen von Lynchjustiz gehabt? Zumal Hurston in ihrer Autobiografie selbst sowie in ihrem Essay von 1950, „What White Publishers Won‘t Print“ verdeutlicht, dass sie der Erwartung und dem Klischee, ein Buch afro-amerikanischer Autoren müsse immer einen Rassenkonflikt zum Gegenstand haben, selbstbewusst entgegentritt. Es ging ihr auch darum, den „normalen“ Alltag schwarzer US-Mittelstandsamerikaner zu zeigen – daher wohl auch einst der von Ammann gewählte, verfremdete Buchtitel.</p>
<p>So ist denn auch der Zeitpunkt der Wiederveröffentlichung von „Spuren im Staub“ sehr gut gewählt. Jüngst wurde die gleichgesinnte Persiflage des Pulitzer-Preisträgers Percival Everett auf den US-Literaturbetrieb unter dem Titel „American Fiction“ verfilmt, nennen US-Bestsellerautorinnen wie Regina Porter, Tananarive Due oder Rahel Eliza Griffiths Zora Neale Hurston als literarische Ahnin, trug Alice Walker zur kommentierten Erstausgabe von Hurstons Band „Barracoon“ bei. Und im Jahr 2022 (wieder-)veröffentlichte der Kampa Verlag Zürich Hurstons Roman „Vor ihren Augen sahen sie Gott“ – Hurstons Autobiografie „Spuren im Sand“ darf als Einladung verstanden werden, auch diesen Roman (neu) zu lesen.</p>
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		<title>Wiederentdecktes von James Baldwin, Neues von Richard Wright und schwer Erträgliches von Robert Jones Jr.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Manfred Loimeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Jun 2022 09:02:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[US-Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Wiederentdeckung afro-amerikanischer Autorinnen und Autoren geht weiter, und wieder ist es der Deutsche Taschenbuchverlag, der dies mit einem weiteren Werk von James Baldwin bewerkstelligt. „Von einem Sohn dieses Landes“ lautet der Titel des neu übersetzten Essay-Klassikers Baldwins, der einst unter dem Originaltitel „Notes of a Native Son“ erschien. Und es ist geradezu erschütternd, die [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Wiederentdeckung afro-amerikanischer Autorinnen und Autoren geht weiter, und wieder ist es der Deutsche Taschenbuchverlag, der dies mit einem weiteren Werk von James Baldwin bewerkstelligt. „Von einem Sohn dieses Landes“ lautet der Titel des neu übersetzten Essay-Klassikers Baldwins, der einst unter dem Originaltitel „Notes of a Native Son“ erschien.<br />
Und es ist geradezu erschütternd, die Aktualität dieser überwiegend autobiografischen Aufsätze wahrzunehmen. Insbesondere die Texte, in denen Baldwin seine Aufenthalte in Paris und in der Schweiz thematisiert, stellen eine beeindruckend nüchterne wie klare Analyse dessen dar, was es bedeutet, US-Amerikaner zu sein, so dass sie als Pflichtlektüre im Englischunterricht dienen sollten. Und zwar nicht nur, weil sie offenbaren, wie sehr das US-amerikanische Gut-und-Böse-Weltverständnis aus der Weiß-Schwarz-Auseinandersetzung aus der Zeit der Sklaverei erwachsen ist, sondern auch, weil Baldwin das US-Selbstverständnis von weißer Überlegenheit mit dem kulturellen Selbstbewusstsein in Europa in Einklang bringt.<br />
Dass sich weitere seiner Aufsätze hervorragend als Urlaubslektüre für New-York-Reisen mit Abstecher nach Harlem eignen, sei vor diesem Hintergrund zurückgestellt, ebenso wie seine die Essaysammlung eröffnende Rezension von Richard Wrights Roman „Native Son“, dem Werk seines literarischen Mentors, das für Baldwins Essaysammlung titelgebend war.</p>
<p>Veröffentlichung nach 79 Jahren</p>
<p>Auch von Wright selbst liegt ein neues Buch vor, und zwar ein überaus neues. Es handelt sich nämlich bei „Der Mann im Untergrund“ nicht etwa um eine Wieder-, sondern um eine Erstveröffentlichung – auch in den USA. Dort war der schmale Roman Wrights seinerzeit abgelehnt worden, weshalb der Autor zumindest die gleichnamige Erzählung daraus formte und 1944 publizieren konnte. 1942 hatte Wright die Geschichte um Fred Daniels, der fälschlich des Mordes bezichtigt wird und sich in die Kanalisation flüchtet, aber eben als Roman verfasst, und erst im Vorjahr erschien dieses Werk vollständig erstmals eben auch in den USA – samt einem Nachwort des Enkels Malcom Wright sowie Richard Wrights Bericht „Erinnerungen an meine Großmutter“.<br />
Es ist schon nachvollziehbar, warum der Roman damals nicht erschien, denn es ist kaum einleuchtend, warum sich die Hauptfigur Daniels, die bei den Erkundungen von unterirdischen Wegen und Häuserkellern Zeuge eines Mordes wird und in Besitz von Geld und Diamanten aus einem Tresor kommt, der Polizei stellt und sich unbedingt des Diebstahls bezichtigen will. Im Zusammenhang der Großmutter-Erinnerungen wird aber klar, wie tiefsitzend der Impuls ist, sich erklären und entschuldigen zu müssen und Rechenschaft abzugeben. Und dieser Roman zeigt auch, wie verschieden die Welten sind, in denen die Nachfahren der vormaligen Sklavenhalter beziehungsweise der vormals Versklavten leben. Die einen oben in der Welt des Tages, die anderen unten, in der Welt der Kanalisation und der Dunkelheit.</p>
<p>Ärgerliches Debüt</p>
<p>Und dann gibt es da noch einen Debütroman von Robert Jones Jr., der sein Buch „Die Propheten“ verkaufstüchtig James Baldwin und einer Litanei an Repräsentanten der Black Community widmet. Es ist politisch hyperkorrekt geschrieben und schildert die homosexuelle Beziehung der beiden Sklaven Samuel und Isaiah, die latente Homosexualität des Farmersohnes Timothy sowie das sexuelle Begehren der unbefriedigten Farmersfrau Ruth, die bei den jungen Sklaven nach Erfüllung trachtet. Das Ganze eskaliert in Mord, Totschlag und Aufruhr, aber dank der magischen Fähigkeiten der Haushälterin, einer Sklavin mit dem einfallsreich sprechenden Namen Maggie, finden Samuel und Isaiah im Jenseits noch zusammen. Das Buch trieft voller Verklärungen von einer nahezu heilen Welt im afrikanischen Mutterland, von ewig gütiger, unermesslich starker und selbstverständlich duldsam überlegener Weiblichkeit, so dass die Lektüre kaum erträglich ist – wäre da nicht das sprachliche Geschick des Autors, der seine Geschichte zugegebenermaßen sehr visuell und sinnlich erzählt.<br />
Besser wartet man aber, bis bald der nächste Klassiker der afro-amerikanischen Literatur erscheint: Der C.H. Beck-Verlag kündigt für September W.E,B. Du Bois „,Along the Color Line‘. Eine Reise durch Deutschland 1936“ an, und das verspricht einen echten literarischen Leckerbissen.</p>
<p>James Baldwin: Von einem Sohn dieses Landes. Aufsätze. Aus dem Amerikanischen von Miriam Mandelkow. dtv, München 2022. 239 Seiten, 22 Euro<br />
Richard Wright: Der Mann im Untergrund. Aus dem Amerikanischen von Werner Löcher-Lawrence. Kein &#038; Aber, Zürich/Berlin 2022. 239 Seiten, 24 Euro<br />
Robert Jones Jr.: Die Propheten. Aus dem Amerikanischen von Simone Jakob. dtv, München 2022. 543 Seiten, 26 Euro</p>
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		<title>Nancy Cunard&#8217;s ,Negro&#8216; &#8211; herausgegeben von Karl Bruckmaier</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Manfred Loimeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Nov 2020 09:02:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[US-Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dieses Buch erscheint zum richtigen Zeitpunkt auf Deutsch: der Sammelband „Negro“, herausgegeben von Nancy Cunard (Kursbuch Edition, 277 Seiten). Die Tochter aus dem Imperium der gleichnamigen Schifffahrtslinienbesitzer interessierte sich seinerzeit, in den 1930er Jahren, weniger für betriebswirtschaftliche Fragen als vielmehr für die Kultur der afroamerikanischen wie der afrokaribischen Bevölkerung. Und ihr Ehrgeiz, der sie zuletzt [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Dieses Buch erscheint zum richtigen Zeitpunkt auf Deutsch: der Sammelband „Negro“, herausgegeben von Nancy Cunard (Kursbuch Edition, 277 Seiten). Die Tochter aus dem Imperium der gleichnamigen Schifffahrtslinienbesitzer interessierte sich seinerzeit, in den 1930er Jahren, weniger für betriebswirtschaftliche Fragen als vielmehr für die Kultur der afroamerikanischen wie der afrokaribischen Bevölkerung. Und ihr Ehrgeiz, der sie zuletzt finanziell wie psychisch ruinierte, war es, 1934 ein Kompendium der kulturellen Ausdrucksvielfalt von Afroamerikanern vorzulegen, ein Standardwerk der sogenannten Harlem-Renaissance-Autoren.</p>
<p>Harlem Renaissance – das meint den künstlerischen Aufbruch im New York der Zwischenkriegszeit, als Musiker und Autoren den Jazz und die afroamerikanische Literatur zur Hochblüte brachten. Ebendiese Vielfalt will der Band „Negro“ abbilden – und tut das er fürwahr mit einer beeindruckenden Vielfalt, die trotz der „knappen“ Auswahl an Texten für die deutsche Ausgabe ein stimmungsvolles Abbild jener New Yorker Kulturszene gibt. 855 Seiten hatte der Band im Original, 277 sind es auf Deutsch, und dennoch sind die großen Stimmen ebenso vertreten wie hierzulande unbekanntere Autoren: Countee Cullen, W.E.B. DuBois, Langston Hughes und Zora Neale Hurston ebenso wie Carrie Williams Clifford oder John L. Spivak.</p>
<p>Vorgenommen hat die Auswahl der Hörspielautor und Musikjournalist Karl Bruckmaier, der zudem alle Texte kundig ins Deutsche übersetzte und dabei vielleicht ein bisschen zu sehr auf kapriziösen Slang setzte. Seinem Knowhow aber ist es zu verdanken, dass gerade auch aufschlussreiche Beiträge über die Musik in den Südstaaten, über Blues und Gospel nachzulesen sind, so dass die Harlem Renaissance zu recht nicht nur als literarisches, sondern auch als musikalisches Phänomen gefeiert wird. Hinzu kommen einige europäische Stimmen der französischen Surrealisten, die von der afroamerikanischen Kultur angetan waren, wobei hier auch gut ersichtlich wird, wie beiderseits auch Klischees und Stereotypen – vom afrikanischen Menschen als musikalischem Naturtalent –  geprägt und vervielfältigt wurden.</p>
<p>Ungeachtet dessen gilt: Wer aus erster Hand erfahren möchte, wie der Alltag der afroamerikanischen Bevölkerung im New York jener Zeit aussah, wie Ausgrenzung und Unterdrückung damals erlebt wurden und bis heute nachhallen, welche klare Botschaften mit Top-Hits der Jazzmusik einhergingen, wovon heute kein Begriff mehr herrscht, für den ist „Negro“ eine Fundgrube ohnegleichen und ein verlegerisches Meisterwerk in bester Ausstattung samt Fotografien obendrein.</p>
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		<title>Afroamerikanische Autoren schreiben über ihren Alltag in den USA</title>
		<link>https://www.manfred-loimeier.de/afroamerikanische-autoren-schreiben-ueber-ihren-alltag-in-den-usa/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Manfred Loimeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Nov 2020 16:03:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[US-Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die aktuellen Proteste und Bürgerrechtsbewegungen in den USA stehen in einer langen Tradition. Vor rund einhundert Jahren schon schrieben die Autorinnen und Autoren der sogenannten Harlem Renaissance über den Alltag der dunkelhäutigen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten. Die Parallelen zu heute sind verblüffend. &#8222;Ich bin ein unsichtbarer Mann. Ich bin ein Mensch aus Substanz, aus [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Die aktuellen Proteste und Bürgerrechtsbewegungen in den USA stehen in einer langen Tradition. Vor rund einhundert Jahren schon schrieben die Autorinnen und Autoren der sogenannten Harlem Renaissance über den Alltag der dunkelhäutigen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten. Die Parallelen zu heute sind verblüffend. </em></p>
<p><em>&#8222;Ich bin ein unsichtbarer Mann. Ich bin ein Mensch aus Substanz, aus Fleisch und Knochen, aus Fasern und Flüssigkeiten – ja, man könnte vielleicht sogar sagen, dass ich einen Verstand besitze. Ich bin unsichtbar, verstehen Sie, weil sich die Leute weigern, mich zu sehen. Es ist, als wäre ich von Zerrspiegeln aus hartem Glas umgeben, so wie die körperlosen Köpfe, die man mitunter auf Jahrmärkten sieht. Wer sich mir nähert, sieht nur meine Umgebung, sich selbst oder die Auswüchse seiner Phantasie – in der Tat alles und jedes, nur mich nicht.&#8220;</em></p>
<p>Der diese Zeilen schrieb – das war der US-amerikanische Autor Ralph Ellison in seinem 1952 veröffentlichten Roman „Der unsichtbare Mann“. Ellison zählte zu der Intellektuellenbewegung, die vor allem zwischen den beiden Weltkriegen unter der Bezeichnung Harlem Renaissance bekannt wurde. Der New Yorker Stadtteil Harlem war damals in den USA das Zentrum der afroamerikanischen Künstler, Musiker und Schriftsteller. In seinem Roman, der 2019 auch in einer neuen deutschsprachigen Ausgabe erschien, schildert Ellison, wie sehr die Existenz von Afroamerikanern im US-Alltag ausgeblendet ist. Anhand seiner im New York der 1930er Jahre lebenden namenlosen Hauptfigur zeigt Ellison, dass nichts, aber auch gar nichts im Selbstverständnis der US-Gesellschaft die Bedürfnisse, Ansprüche oder gar Verdienste von dunkelhäutigen US-Amerikanern anerkennt.</p>
<p>Dass Afroamerikaner in den USA leben, dass sie fühlen, hoffen und lieben, wird demnach der US-Mehrheit erst dann bewusst, wenn sie gewaltsam darauf gestoßen wird. Dieses Phänomen thematisierte ein anderer Schriftsteller, der Autor Richard Wright, bereits 1941 in seinem Roman „Sohn dieses Landes“. Er liegt ebenfalls seit 2019 in neuer deutscher Übersetzung vor. Kein Mensch schert sich darin um die junge Hauptfigur namens Biggers, aber als dieser die Tochter einer angesehenen weißen Familie tötet, wird er zum angeblich triebgesteuerten Medienstar. Die Hintergründe des Unfalltodes interessieren dabei nicht. Biggers aber fühlt sich durch den vermeintlichen Mord und die Berichterstattung darüber erstmals wirklich wahrgenommen – und ist von diesem Gefühl geradezu überwältigt.</p>
<p><em>&#8222;Diese Tat, der Mut der Verzweiflung, der dazu gehörte, und das furchtbare Entsetzen, das er dabei empfunden hatte, das alles bildete zum ersten Mal in seinem von Angst beherrschten Leben eine schützende Barriere zwischen ihm und der Welt, die er fürchtete. Sein Verbrechen war ein Anker, der ihn sicherte im Strom der Zeit, es gab ihm ein Gefühl der Sicherheit.&#8220;</em></p>
<p>Mit seiner Aufsatzsammlung „Schwarze Macht“, „Black Power“, aus dem Jahr 1954, gab Richard Wright einer anderen Bewegung in den USA das Motto, für Gleichberechtigung und gegen Rassismus zu kämpfen. Aber ob die Militanz der sogenannten Black Panther oder die Friedfertigkeit von Martin Luther King – letztlich trug ganz schlicht auch der Bedarf nach schwarzen US-Soldaten dazu bei, dass die US-Apartheidgesetzgebung 1964 formal aufgehoben wurde. Wer sonst hätte im Vietnamkrieg von 1965 bis 1973 auf US-amerikanischer Seite kämpfen sollen? Aber auch dieser Bedarf nach Menschen steht in einer düsteren Tradition, die Wright in seinem Buch „Schwarze Macht“ benennt.</p>
<p><em>&#8222;Die Sklaverei wurde nicht auf Grund von Rassentheorien eingeführt; vielmehr entstanden die Rassentheorien zu Beginn der Sklaverei, zu deren Rechtfertigung. Es wurde nämlich unmöglich, der zahlenmäßig geringen Bevölkerung Europas eine ausreichende Menge von Sträflingen und weißen Zwangsarbeitern abzuzapfen, so dass die Zucker-, Baumwoll-  und Tabakpflanzungen gewinnbringend, in großem Maßstab betrieben werden konnten. Da richtete Europa seinen Blick auf Afrika, dessen Menschenvorrat unerschöpflich schien, und es setzte der Raub oder Kauf von Afrikanern ein, die den von Indianern geraubten oder gekauften Boden bearbeiten sollten.&#8220;</em></p>
<p>Um als Mensch und nicht nur als Arbeitskraft wahrgenommen zu werden, gaben – und geben? – sich hellhäutige Afroamerikaner sogar als Weiße aus. „Passing“ heißt dieses soziale Phänomen des Hautfarbenwechsels, das ebenfalls literarisch gestaltet ist. „Seitenwechsel“, „Passing“ lautet sogar der Titel des 1929 erschienenen Romans der US-Autorin Nella Larsen. Sie thematisiert darin, was es bedeutet, sich eine neue Identität aufzubauen, die Verbindungen zu den dunkelhäutigen Verwandten abzubrechen oder zu leugnen – und dabei in Angst zu leben, dass der (Selbst-)Betrug auffliegt.</p>
<p><em>&#8222;Sie wollte herausfinden, was es mit dem riskanten Seitenwechsel auf sich hatte, diesem Ausbrechen aus allem, was einem vertraut und angenehm war, um sein Glück in einer anderen Umwelt zu versuchen, die vielleicht nicht ganz und gar fremd, bestimmt aber nicht ganz und gar angenehm war. Was man zum Beispiel mit der Herkunft machte, wie man sich fühlte, wenn man mit anderen Schwarzen in Kontakt kam.&#8220;</em></p>
<p>Die Nicht-Wahrnehmung von Afroamerikanern als gleichberechtigte Bürger hat in den USA zu unterschiedlichsten Bewegungen geführt. Und womöglich zeigt erst das Wissen um diese Nichtbeachtung, welche Sprengkraft in Slogans wie „Black is beautiful“ steckte oder in „Say it loud I’m black and I’m proud“. So legten in den 1960er Jahren Afroamerikaner ihre Nachnamen ab, die oftmals noch die Familiennamen der Sklavenhalter waren, nach denen ihre Vorfahren benannt worden waren. Stattdessen setzten sie ein „X“. Box-Weltmeister Cassius Clay zum Beispiel, Nachfahre von Sklaven der Farmerfamilie Clay, hieß zunächst Cassius X, bevor er sich Muhammad Ali nannte. Und Malcolm Little erlangte als radikaler Bürgerrechtler Malcolm X Berühmtheit. Er wurde 1965 erschossen – drei Jahre vor dem friedfertigeren Martin Luther King.</p>
<p>Kein Wunder, dass angesichts dieser Ausgrenzung sogar noch die US-Literatur der Gegenwart den Mythos von Afrika als Mutterland beschwört. So machte sich der New Yorker Schriftsteller Teju Cole im Jahr 2007 auf die Suche nach seiner nigerianischen Familie und beschrieb das in seinem Lagos-Buch  „Jeder Tag gehört dem Dieb“.</p>
<p><em>&#8222;Als ich in eine kleine sonnendurchflutete Straße im Herzen des Viertels einbiege, habe ich plötzlich das Gefühl, aus einem Grund hier zu sein. Es kommt mir vor wie eine Rückkehr, wie ein Mittelpunkt, obwohl ich hier noch nie gewesen bin. Ich möchte nicht gehen, doch ich weiß, dass ich nicht bleiben kann.&#8220;</em></p>
<p>Seit 1865 ist Sklaverei in den USA verboten, in den Jahren 1964 bis 1967 wurde die Apartheidgesetzgebung der USA aufgehoben. Doch noch immer sieht sich die schwarze Bevölkerung der USA diskriminiert, geht ein Riss durch die Gesellschaft. „Zwischen mir und der Welt“ nannte der US-Journalist Ta-Nehisi Coates seinen 2015 veröffentlichten Essayband. Er ist betitelt nach einem Satz aus Wrights Roman „Sohn dieses Landes“; da draußen ist die Welt, und da bin ich – aber eine gläserne Wand trennt mich von dieser Welt, an der ich nicht teilhabe und in der ich nicht existiere.</p>
<p>Offenbar hat sich nicht viel geändert seit Wrights Roman von 1941 bis Coates‘ Essay von 2015.</p>
<p><em>&#8222;Ich schreibe dir in deinem fünfzehnten Lebensjahr. Ich schreibe dir jetzt, denn dies ist das Jahr, in dem du gesehen hast, wie Eric Garner erwürgt wurde, in dem du erlebt hast, dass Renisha McBride erschossen wurde, weil sie Hilfe holen wollte, und dass John Crawford erschossen wurde, weil er durch ein Kaufhaus schlenderte. Und spätestens jetzt weißt du, dass die Polizeireviere deines Landes mit der Befugnis ausgestattet sind, deinen Körper zu zerstören.&#8220;</em></p>
<p>Aber nicht nur mit dem Titel „Zwischen mir und der Welt“ zitiert Coates ein literarisches Vorbild, Richard Wright, sondern auch mit der Form seines Essays. Da der Text als Brief an seinen 15-jährigen Neffen gehalten ist, greift Coates einen Appell auf, den der US-Autor James Baldwin im Jahr 1962 als Brief an seinen Neffen richtete. „Mein Kerker bebte“ lautet dessen deutscher Titel, neu übersetzt 2019. Baldwin erklärt darin, dass Afroamerikaner erst dann frei sein können, wenn sich die weißen Amerikaner von ihren Ängsten, Vorbehalten und Vorurteilen gelöst haben. Baldwin zufolge müssen Afroamerikaner nicht nur für ihre eigene Freiheit kämpfen, sondern vor allem auch für die Befreiung der weißen US-Gesellschaft von der Ideologie des Rassismus.</p>
<p><em>&#8222;Vor rund fünfzehn Jahren bist Du auf die Welt gekommen. Du bist in eine Gesellschaft hineingeboren, die Dir mit brutaler Offenheit und auf vielfältigste Weise zu verstehen gibt, dass Du ein wertloser Mensch bist. Alles, was Dein Leben ausmacht und verkörpert, ist bewusst so angelegt, dass Du glauben sollst, was Weiße über Dich sagen. Sie sind noch immer in einer Geschichte gefangen, die sie nicht verstehen. Viele Jahre und aus unzähligen Gründen mussten sie glauben, Schwarze seien weniger wert als Weiße. Aber diese Menschen sind Deine Brüder. Wir können erst frei sein, wenn sie frei sind.&#8220;</em><em> </em></p>
<p>Dass nun bei jüngsten Demonstrationen in den USA auch der Slogan „White silence is violence“ zu hören ist, „Weißes Schweigen ist Gewalt“, ist in diesem Zusammenhang Ausdruck einer konsequenten – und dieses Mal vielleicht nachhaltigen – Solidarität und Veränderung.</p>
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		<title>&#8222;Barracoon. Die Geschichte des letzten amerikanischen Sklaven&#8220; von Zora Neale Hurston</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Manfred Loimeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Nov 2020 15:57:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[US-Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenig bekannt sind die afroamerikanischen Autorinnen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den USA über den Alltag der schwarzen Bevölkerung dort schrieben. Eine von ihnen ist Zora Neale Hurston, die zu ihrer Zeit eine der bekanntesten Schriftstellerinnen war. Nun ist &#8211; auch in deutscher Übersetzung &#8211; ein Buch von Zora Neale Hurston erschienen, das [&#8230;]</p>
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<p><em>Wenig bekannt sind die afroamerikanischen Autorinnen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den USA über den Alltag der schwarzen Bevölkerung dort schrieben. Eine von ihnen ist Zora Neale Hurston, die zu ihrer Zeit eine der bekanntesten Schriftstellerinnen war. Nun ist &#8211; auch in deutscher Übersetzung &#8211; ein Buch von Zora Neale Hurston erschienen, das ein besonderes historisches Dokument darstellt: Barracoon. Die Geschichte des letzten amerikanischen Sklaven.</em></p>
<p>Rund 90 Jahre hat es gedauert, bis dieses Buch einen Verlag fand, geschrieben von einer Autorin, die zu den maßgeblichsten Stimmen der afroamerikanischen Literatur zählt. Zora Neale Hurston heißt diese Autorin, 1891 geboren, 1960 gestorben. Wiederentdeckt wurde sie in den 1970er Jahren von der Pulitzer-Preisträgerin Alice Walker. Einer von Hurstons vier Romanen liegt schon seit 1993 auf Deutsch vor – „Vor ihren Augen sahen sie Gott“ –, ebenso wie Hurstons Autobiografie „Ich mag mich, wenn ich lache“. Zu erzählen hatte die Autorin viel, gehörte sie doch zu den Intellektuellen der sogenannten Harlem Renaissance, die insbesondere zwischen den beiden Weltkriegen das Leben der Schwarzen in den USA aus eigener Sicht schilderten.</p>
<p>Zudem war Hurston nicht nur Schriftstellerin, sondern auch Anthropologin und Völkerkundlerin – und dafür liefert ihr nun ebenfalls ins Deutsche übersetzte Buch „Barracoon. Die Geschichte des letzten amerikanischen Sklaven“ den Beweis (Penguin Verlag, 223 Seiten). Es beruht auf Interviews mit Oluale Kossula, vereinfachend Cudjo Lewis genannt, dem letzten Überlebenden des Sklavenhandels. Es muss seinerzeit geradezu einen Run der Harlem-Renaissance-Autoren auf Kossula gegeben haben, doch allein Hurston nahm sich die Zeit, im Jahr 1927 immer und immer wieder den damals 86-Jährigen ausführlich zu befragen. Mit dem letzten Sklavenschiff war er 1860 in die USA gekommen, hatte als Sklave in einer der Barracoons, der Baracken, gelebt, bis er nach Abschaffung der Sklaverei 1865 in den USA die Freiheit erlangte. Nach seinem Tod wollte er begraben sein wie in Afrika – was genug aussagt über seine Jahre in den USA.</p>
<p><em>&#8222;Es war ein heißer Samstagnachmittag, als ich Kossula fotografieren kam. „Freut mich, dass du ein Bild von mir machst. Ich will sehen, wie ich aussehe. Vor langer Zeit hat mal jemand ein Bild von mir gemacht, aber hat mir nie eins gegeben. Gib du mir eins.“ Ich versprach es. Er ging hinein, um sich für das Bild zurechtzumachen. Als er herauskam, sah ich, dass er seinen besten Anzug an-, aber die Schuhe ausgezogen hatte. „Ich will aussehen wie in Afrika, weil das ist, wo ich sein will“, erklärte er. Er bat auch, auf dem Friedhof zwischen den Gräbern seiner Familie fotografiert zu werden.&#8220;</em></p>
<p>„Barracoon“ ist aber nicht einfach ein abgetipptes Interview, sondern aufgrund der Frageweise Hurstons ein ethnografisches, wissenschaftliches Dokument. So erzählt Kossula von seiner Kindheit in Westafrika und von den gesellschaftlichen Strukturen und Traditionen dort. Dabei zeichnen weder Hurston noch Kossula ein idealisiertes Bild von Afrika.</p>
<p><em>&#8222;Als die Sonne aufgeht, essen wir und marschieren weiter nach Dahomey. Der König sagt jeder Stadt auf unserm Weg Bescheid, und das Oberhaupt kommt raus. Wenn sie eine rote Flagge draußen haben, heißt das, sie haben beschlossen, sie zahlen an Dahomey keine Steuern. Sie sagen, sie werden kämpfen. Wenn es eine weiße Fahne ist, zahlen sie an Dahomey, was von ihnen verlangt wird. Wenn es eine schwarze Fahne ist, heißt das, der Herrscher ist tot und der Sohn ist nicht alt genug für den Thron. In Afrikaland, wenn sie die schwarze Fahne sehen, machen sie nichts. Sie wissen, es wäre ungleich, wenn sie Krieg führen, wo niemand die Macht hat.&#8220;</em></p>
<p>Dass so etwas in den 1920er Jahren Literatur wurde, ist sensationell, sprach man damals den afrikanischen Völkern doch gemeinhin Zivilisiertheit und staatliche Lebensformen ab.</p>
<p>Aufsehen erregte das Manuskript aber auch deshalb, weil Hurston in dessen Vorveröffentlichung als akademischer Aufsatz weitere Quellen einarbeitete – und diese angeblich nicht kennzeichnete. Ungeklärt ist das bis heute, im Vorwort zu „Barracoon“ sind die verwendeten Materialien jedenfalls genannt.</p>
<p>Bemerkenswert ist das Buch aber auch deshalb, weil es – selbst in der aktuellen Übersetzung von Hans-Ulrich Möhring noch erkennbar – im Jargon Kossulas bleibt. So sind der deutschsprachigen Ausgabe einige Abschnitte im englischen Original beigefügt. Zahlreiche Anmerkungen, eine etwas betuliche Einleitung der Herausgeberin Deborah G. Plant sowie ein Glossar informieren über den Kontext der erzählten Zeit und der geschilderten Begebenheiten. Und auch deshalb ist „Barracoon“ absolut lesenswert, sogar noch nach 90 Jahren.</p>
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		<title>&#8222;Eine Deutschlandreise&#8220; von Thomas Wolfe</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Manfred Loimeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Nov 2020 15:47:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[US-Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kaum ein Autor war so begeistert von Deutschland wie der US-amerikanische Schriftsteller Thomas Wolfe. In Frankfurt besuchte er das Goethe-Haus, in Berlin plauderte er mit dem Verleger Heinrich Maria Ledig-Rowohlt, in München prügelte er sich auf dem Oktoberfest mit Unbekannten. Über zehn Jahre hinweg, von 1926 bis 1936 hat er seine Reiseerlebnisse zu Literatur gemacht, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Kaum ein Autor war so begeistert von Deutschland wie der US-amerikanische Schriftsteller Thomas Wolfe. In Frankfurt besuchte er das Goethe-Haus, in Berlin plauderte er mit dem Verleger Heinrich Maria Ledig-Rowohlt, in München prügelte er sich auf dem Oktoberfest mit Unbekannten. Über zehn Jahre hinweg, von 1926 bis 1936 hat er seine Reiseerlebnisse zu Literatur gemacht, nun erscheinen seine Aufzeichnungen gesammelt in einem Band.<br />
</em></p>
<p>Es ist immer wieder erschütternd zu lesen – und dabei nicht annähernd zu erfassen –, wie verheerend und nachhaltig Deutschland sein einstmals auch von Bewunderung begleitetes Image durch den Nationalsozialismus zerstörte. Ein Beispiel dafür gibt das Buch „Eine Deutschlandreise“ des US-Autors Thomas Wolfe (Manesse Verlag, 410 Seiten, 25 Euro). Mit Romanen wie „Schau heimwärts, Engel“, „Die Party bei den Jacks“ oder „Von Zeit und Fluss“ ist er ein Klassiker der modernen US-Literatur neben William Faulkner und F. Scott Fitzgerald.</p>
<p>Das Buch „Eine Deutschlandreise“ ist eine Zusammenstellung von Briefen, Notizen, Skizzen und Erzählungen. Wolfe hat sie in den Jahren 1926 bis 1936 bei einem halben Dutzend Reisen nach Deutschland, seiner geliebten Wahlheimat, geschrieben. Und es erstaunt schon, zu sehen, wie tief das Klischee von einem romantischen Deutschland der Flüsse, Burgen und Wälder noch Anfang des 20. Jahrhunderts wirkte. Schief stehende, märchenartige Fachwerkhäuser in den engen Gassen mittelalterlicher Städte und dazu die Schlösser und Ruinen entlang des Rheins – für Wolfe war Deutschland ein Sehnsuchtsort ohnegleichen, sein „Zauberland“.</p>
<p><em>&#8222;Es ist tatsächlich ein sagenhaftes Land – eine wie verzauberte Landschaft, in der man die wirkliche Welt hinter sich zu lassen glaubt und meint, eine neue betreten zu haben, in der alles möglich scheint. Man begreift all die Sagen, die sich um diese Gegend ranken, sobald man sie sieht. Der Fluss zieht und windet sich hindurch wie ein Zauberfaden, und alles führt hinunter zum Fluss. Doch was den Rhein so wundervoll macht, sind die Zeugnisse aus Jahrhunderten, die er mitführt, und all die reiche Kultur, von der er durchdrungen ist. Da haben wir für unseren Hudson sehr wenig getan, außer ihn mit Zuckerraffinerien und Öltanks zuzupflastern.&#8220;</em></p>
<p>Nicht weniger erstaunt es, wie hartnäckig Wolfe an das Gute im Wesen der Deutschen glaubte – selbst als zahlreiche Exilanten schon über die politische Entwicklung seit 1933 berichteten. Es dauerte lange, bis Wolfe seine verklärte Meinung von Deutschland korrigierte. Und dabei blieben ihm noch die schlimmsten Jahre erspart, wenn man seinen frühen Tod im Alter von nur 38 Jahren im Jahr 1938 so werten mag.</p>
<p><em>&#8222;Überall rings um mich her sah ich, während die Zeit in jenem Frühling und Sommer 1935 voranschritt, die Zeichen dieser Auflösung, dieses Schiffbruchs eines großen Geistes, dieses miasmatische Gift, das wie ein pestilenzialischer Nebel mit der Luft einsickerte und das Leben eines jeden Menschen, dem ich begegnete, mit seinem ätzenden Hauch verunreinigte, ansteckte, verdarb. Es war, und dies überall, so unsichtbar wie eine Seuche und so unmissverständlich wie der Tod; es drang durch all die goldene Frühlingsfreude in mich ein, bis ich es schließlich spürte, atmete, lebte und als das erkannte, was es war.&#8220;</em></p>
<p>Die detaillierten Schilderungen Wolfes von den Veränderungen im Alltag Deutschlands sind es, die diesen Band so ungemein lesenswert machen. Es geht weniger um Geschichtsdaten und politische Positionen, sondern um atmosphärische Strömungen und das Wachsen von Angst, Misstrauen und Verzweiflung.</p>
<p>Gleichwohl wird diese Entwicklung in Wolfes Schreiben auch durch knapp 400 Anmerkungen, ein Nachwort, eine Zeittafel und ein Literaturverzeichnis ergänzt. Der Herausgeber Oliver Lubrich hat das aber so erstellt, dass dieser Band nicht wie eine Zusammenstellung fragmentierter Texte wirkt, sondern wie ein fesselnder Blick in eine Autorenpsyche und in die Bedingungen und Begleiterscheinungen eines persönlichen Wandels. Renate Haen, Barbara von Treskow und Irma Wehrli haben in ihren Übersetzungen die Spontanität und die (Selbst)Zweifel Wolfes gut zum Ausdruck gebracht. Auch deshalb ist dieser Band „Eine Deutschlandreise“ ein Etappenstein zum Verständnis zum einen des literarischen Werkes von Wolfe, zum anderen der jüngsten Vergangenheit Deutschlands, die noch immer die Gegenwart dieses Landes prägt – und damit eben nicht vergangen ist.</p>
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		<title>Harlem, New York. Zur Wiederentdeckung des literarischen Werks von James Baldwin</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Manfred Loimeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 02 Mar 2019 17:57:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[US-Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wäre der US-amerikanische Schriftsteller James Baldwin im Jahr 1924 als hellhäutiger Protestant geboren worden, wäre er mit seinen Romanen, Gedichten, Theaterstücken und Essays gewiss für den Literaturnobelpreis in Betracht gekommen. Doch der Rassismus jener Zeit, der ihn im Jahr 1948 wie so viele andere US-amerikanische Autoren nach Frankreich reisen ließ, lenkte die Rezeption seines Werks [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wäre der US-amerikanische Schriftsteller James Baldwin im Jahr 1924 als hellhäutiger Protestant geboren worden, wäre er mit seinen Romanen, Gedichten, Theaterstücken und Essays gewiss für den Literaturnobelpreis in Betracht gekommen. Doch der Rassismus jener Zeit, der ihn im Jahr 1948 wie so viele andere US-amerikanische Autoren nach Frankreich reisen ließ, lenkte die Rezeption seines Werks vom Blick auf dessen literarische Qualitäten ab und beschränkte ihn auf die Darstellung der sogenannten Rassenfrage. Dass jetzt ausgerechnet Baldwins Roman „Beale Street Blues“ neu verfilmt wurde, ist insofern typisch – erlaubt der Roman doch aufgrund der Schilderung des Alltags eines jungen schwarzen Paars in Harlem mitsamt den „Widrigkeiten“ ihres Überlebens in einer von weißen beherrschten Welt eine politische Interpretation.</p>
<p>Nun ist eine solche im Werk Baldwins zweifelsohne verankert – aber eben nicht nur. Politische Autoren gab es insbesondere in der Harlem Renaissance, der New Yorker afrika-afrikanischen Künstlerszene insbesondere zwischen den beiden Weltkriegen, zu der Baldwin noch gezählt wird, zuhauf. Baldwins Freund Richard Wright etwa, der ihm den Weg zu sich nach Frankreich ebnete, analysierte in seinem Essayband „Schwarze Macht“ („Black Power“, 1956 – deutsch 1956) ebendiesen afrika-amerikanischen Alltag angesichts der Gewalt vonseiten der weißen Herrschaftsgesellschaft. Wrights Buch war es, dessen Titel der späteren US-Bürgerrechtsbewegung das Schlagwort der Black Power lieferte. Und Wright war es dann auch, der Baldwin einen Mangel an gesellschaftspolitischer Pointierung vorwarf, was seinerzeit zum Zerwürfnis der beiden Freunde beitrug. Dabei hatte Baldwin seinen ersten Essayband noch „Notes of a Native Son“ (1955) genannt, als Hommage an Wrights teilautobiografischen Roman „Native Son“ (1940).</p>
<p>In der Tat: Wer etwa den Roman „Giovannis Zimmer“ von Baldwin liest – zuletzt im Jahr 2015 auf Deutsch in der „Zeit“-Bibliothek der verschwundenen Bücher erschienen –, der würde die Rassenfrage darin nicht thematisiert finden. Stattdessen geht es darin um das späte Coming-out eines verheirateten jungen Mannes, der sich seiner Homosexualität bewusst wird. Dass ein afrika-amerikanischer Autor einen weißen Amerikaner zum Protagonisten seines Romans macht, war 1956, als der Roman veröffentlicht wurde, ein doppelter Skandal: einerseits ein Schwarzer, der sich anmaßt, „weiße“ Literatur zu verfassen, andererseits ein Schwarzer, der meint, Literatur ohne Bezug zur Rassenfrage schreiben zu können.</p>
<p>Baldwin wollte nicht aufgrund seiner Hautfarbe oder einer bestimmten Gesinnung  gelesen werden, sondern wegen der literarischen Qualität seiner Bücher. Dass er heute als frühe sozialkritische Stimme der „schwarzen“ US-Literatur wiederentdeckt wird, dürfte ihm wohl kaum behagen. Gut gefallen würde ihm dagegen, wenn endlich die formale Stärke und die besondere Ästhetik seines Schreibens anerkannt würden.</p>
<p>So beruht der soeben verfilmte Roman „Beale Street Blues“, wie es der deutsche Titel fast besser andeutet als das amerikanische Original „If Beale Street Could Talk“, formal auf der Musikalität des Blues. Die Beale Street in Memphis gilt als Heimat des Blues, dort spielten Louis Armstrong, B.B. King oder Muddy Waters. Und die Kapitelüberschriften des Romans zitieren weitere Bluestexte, wie sich ebenso eine Anspielung auf Aretha Franklins Hit „Respect“ findet. Der US-Romantitel wiederum, „If Beale Street Could Talk“,  verweist auf die Mündlichkeit von Baldwins Sprachstil in diesem Roman, in dem seine Hauptfiguren mit ihrem Bemühen um ein redliches Leben in der von Weißen geprägten Gesellschaft New Yorks keine Chance haben. Und dass Baldwin die beiden Protagonisten Tish und Fonny gleichstellt, indem er gleichermaßen aus der Perspektive einer Frau schreibt &#8211; auch das neu: ein Mann, der aus Sicht der Frau  schreibt -, zeugt für das psychologische Einfühlungsvermögen des Autors, dem es um die Tiefengestaltung von Charakteren geht.</p>
<p>So weist jedes Buch Baldwins eine Besonderheit auf. Sein Debütroman „Von dieser Welt“ („Go Tell it on the Mountain“, 1953) greift Bibelverse auf und ist im Stil einer Predigt gehalten, die von Gospelgesängen durchzogen ist. Auch dieser Roman klingt äußerst mündlich. So überrascht es nicht, dass Baldwin mit den Stücken „The Amen Corner“ (1955) und „Blues for Mister Charlie“ (1964) auch für das Theater arbeitete. Der Blues kehrt zudem in Baldwins Lyrik wieder, in seinem einzigen Gedichtband „Jimmy’s Blues. Selected Poems“ (1983), der vier Jahre vor seinem Tod in Saint-Paul-de-Vence erschien; und seine erste bedeutendere Kurzgeschichte aus dem Jahr 1948 trägt den Titel „Sonny’s Blues“.</p>
<p>Baldwins Bücher waren seinerzeit so gefragt, dass sie rasch nach ihrem Erscheinen auch auf Deutsch erschienen. Die beiden Romane zwischen „Giovannis Zimmer“ und „Beale Street Blues“, also „Another Country“ (1962) und „Tell Me How Long the Train’s Been Gone“ (1968), kamen bald als „Eine andere Welt“ (1965) und „Sag mir, wie lange ist der Zug schon fort“ (1969) heraus – ebenso wie Baldwins letzter Roman „Just Above My Head“ (1979), der 1981 als „Zum Greifen nah“ herauskam. Die &#8222;Neuentdeckung&#8220; seines Werks in Deutschland ist mithin eher eine Wiederentdeckung und wirft die Frage auf, wieso es überhaupt zwischenzeitlich dem Vergessen überlassen werden konnte.</p>
<p>Auch Baldwins sieben Essaybände wurden zwischen den 1960er und 1980er Jahren zeitnah ins Deutsche übertragen. Dass davon nun  „The Fire Next Time“ (1962), „Nach der Flut das Feuer“, als erstes neu übersetzt wurde, ist insofern bemerkenswert, als Baldwin diesen zweiteiligen Essay als Brief an seinen Neffen verfasste und damit erneut eine besondere literarische Form für ein in der Tat politisches Anliegen fand: die Warnung vor der Gewalttätigkeit der US-Gesellschaft, in die der Hass auf Afrika-Amerikaner eingebrannt ist. Aber wie angemerkt: Auch wenn es um eine politische Botschaft geht, entwickelt Baldwin dafür eine besondere literarische Form.</p>
<p>Dieser Essay inspirierte den aus Kongo kommenden, in Frankreich und den USA lebenden Schriftsteller Alain Mabanckou zu seinem Baldwin gewidmeten Buch „Lettre à Jimmy“ (2007), in dem Mabanckou die Geschichte der brutalen Übergriffe auf nicht-weiße US-Amerikaner fortschreibt. Und auch der US-Journalist und Schriftsteller Ta-Nehisi Coates zitierte mit seinem Essayband „Zwischen mir und der Welt“ (2015, deutsch 2016) den Baldwin-Band, indem er dafür dessen Briefform übernahm.</p>
<p>Baldwin hat aber nicht nur andere Autoren inspiriert, sondern er steht auch für eine Tradition des Schreibens in den USA, der eine ebensolche Wiederentdeckung zu wünschen ist, wie sie das Werk Baldwins derzeit erfährt. Unter der Ahnengalerie an Schriftstellern, deren Einfluss auf die US-Bürgerrechtsbewegungen kaum geringer war als derjenige von Baldwin und Wright – darunter etwa Arna Wendell Bontemps, Countee Cullen, Ralph Ellison, Jessie Redmon Fauset, Langston Hughes, Zora Neale Hurston, LeRoi Jones, Claude McKay, Nella Larsen, Gil Scott-Heron, Wallace Thurman oder Dorothy West – ragten zudem bemerkenswerte Autorinnen heraus, die früh ein Phänomen thematisierten, das in Deutschland erst mit dem Roman „Der menschliche Makel“ aus dem Jahr 2000 von Philip Roth wahrgenommen wurde.</p>
<p>Gemeint ist das Phänomen, das im Englischen als „Passing“ bezeichnet wird und den Identitätswechsel beschreibt, mit dem sich hellhäutige Afrika-Amerikaner als weiß ausgaben. Die Harlem-Renaissance-Autorin Nella Larsen gab einem ihrer Romane gleich den Titel „Passing“ (1929), und Jessie Redmon Fauset griff zur selben Zeit in ihrem Roman „Plum Bun“ (1929) die Belastungen auf, die es mit sich brachte, mit einer quasi fremden Identität zu leben und sich notfalls von der Familie distanzieren zu müssen. Zwar liegt zumindest Larsens Roman unter dem Titel „Seitenwechsel“ (2011) auf Deutsch vor, in dem ambitionierten und preisgekrönten Zürcher Kleinverlag Dörlemann. Eine nennenswerte Neuentdeckung gerade dieser weiblichen Stimmen der Harlem-Renaissance-Literatur steht indes noch aus.</p>
<p>Das gilt allerdings auch für die USA selbst. Dass das Werk der in einem anonymen Grab beerdigten Zora Neale Hurston dem Vergessen entrissen wurde, ist der US-Autorin Alice Walker zu verdanken. Und dass Dorothy West noch in Ehren gehalten wird, liegt an Jackie Kennedy Onassis, mit der West befreundet war. Ansonsten tut sich das weiße Amerika schwer mit seinem schwarzen literarischen Erbe.</p>
<p>West erging es dabei ähnlich wie Baldwin. West wollte sich nämlich thematisch nicht auf die Klage über die Lebensbedingungen und Benachteiligungen der Afrika-Amerikaner fixieren lassen, sondern beschrieb auch das Leben der nicht-weißen Mittel- bis Oberschicht in den USA ihrer Zeit. Dass es so etwas gab und gibt, passte nicht in das Bild von verwahrlosten, bildungsfernen Afrika-Amerikanern. Wests Romane aber nötigten die weiße Elite, die Ausgrenzung sogar der arrivierten Afrika-Amerikaner zuzugeben und die Strukturen der Unterdrückung wahrzunehmen. Kein Wunder, dass diese Autorin gern vergessen wurde. Auch von ihr wurde noch kein einziges Buch ins Deutsche übersetzt. Zu wünschen wäre das aber beispielsweise für ihren Debütroman von 1948, „The Living is Easy“ – der Titel ist übrigens ironisch gemeint, der literarische Stil ist der einer Satire.</p>
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		<title>Quentin Tarantino’s movie “The Hateful 8” and the process of nation-building in the USA</title>
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		<dc:creator><![CDATA[andkreativ]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 22 Dec 2018 12:28:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[US-Literatur]]></category>
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